Autor:  Hinzugefügt am 12.05.2011, zuletzt aktualisiert am 28.08.2021

Rollenspielsucht.de – Portal für spielsuchtkranke Kinder meldet erschreckende Zahlen


Laut dem Selbsthilfeportal für spielsuchtkranke Kinder, Rollenspielsucht.de, hat sich seit der Gründung des Portals im Jahr 2007 nicht viel am Jugend- und Kinderschutz im Internet geändert. Die Gesellschaft und auch die Mehrzahl der Politiker verkennen den Ernst der Lage, so der Initiator des Portals.

Das von Christoph und Christine Hirte ins Leben gerufene Internet-Selbsthilfeportal www.rollenspielsucht.de kämpft auch vier Jahre nach seiner Gründung darum, die Spielsucht vieler Kinder und Jugendlicher im Internet als ernstzunehmendes Problem anzusehen. Über 770.000 Eltern haben das Portal seit 2007 auf der Suche nach Anlaufstellen für Internet-Sucht-Gefährdete Kinder und Jugendliche zu Rate gezogen.

Neben nicht geschütztem Gewalt- und Pornomaterial sind es vor allem Browser- und Rollenspiele, denen Heranwachsende zunehmend verfallen, so die Initiatoren des Portals. Die Computerspielsucht werde trotz zunehmender Häufung noch immer nicht als Krankheitsbild anerkannt, so die Bilanz der Eheleute Hirte. Sie selbst haben vor einigen Jahren ihren Sohn an die Sucht verloren und ihn seit 2007 nicht mehr gesehen. „Das Thema der Mediensucht ist deutlich in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Noch vor drei Jahren wurde allein die Möglichkeit einer Mediensucht als nicht existent abgetan“, so Christoph Hirte.

Besonders kritisieren die Initiatoren des Portals und die Eltern betroffener Kinder und Jugendlicher, dass der Schutz Minderjähriger vor gewaltverherrlichendem, pornografischem und suchtförderndem Material im Internet immer noch unzureichend sei. Im Gegensatz zur USK, die Kaufspiele nach Jugendschutzrichtlinien einordnet und bewertet, würde im Internet dieser Schutz völlig vernachlässigt.

Einer „repräsentativen“ Dr.-Sommer-Studie aus dem Jahr 2009 zufolge, kennen sich 42 Prozent der 11- bis 13-jährigen und 79 Prozent der 14- bis 17-jährigen mit Online-Pornografie aus. 16 Prozent der Befragten 11- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler gaben gar an, schon einmal auch für Erwachsene illegale Gewaltpornografie, sexuelle Verstümmelung, Sodomie und/oder Kinderpornografie angeschaut zu haben. Auch der Suchtfaktor der sozialen Netzwerke werde unterschätzt, so Hirte. Neben seinem hohen Abhängigkeitspotenzial werden diese Plattformen vermehrt auch zum Mobbing anderer Jugendlicher verwendet. Wie viele Teilnehmer diese Studie hatte, darüber wird’s nichts gesagt. Zu den „Versuchsbedingungen“ oder den Eckdaten der Befragung ebenfalls nicht. Entsprechend lässt sich der Inhalt nur schwer nachvollziehen und nicht überprüfen.

Christoph Hirte bemängelt schließlich die Einstellung vieler Politiker zum Thema Computerspielsucht von Kindern und Jugendlichen. Obwohl im Paragraphen § 184 StGB verankert ist, dass das Zugänglichmachen oder Überlassen von pornografischem Material an Kinder und Jugendliche unter Strafe steht, sind diese vielfach immer noch ungeschützt im Internet unterwegs. Viele der von der Initiative angeschriebenen Politiker hätten bisher keine Stellung bezogen, so Hirte: „Wir kritisieren nach vier Jahren intensiver Aufklärungsarbeit, dass Politiker sich nach wie vor dieses Problems nicht in der angemessenen Form annehmen, es schlicht ignorieren und sich nicht an der stark zunehmenden Problematik orientieren. Sämtliche Landtags- und Bundestagsfraktionen, die wir angeschrieben und um eine Stellungnahme zur Weitergabe an unsere Leser gebeten hatten, haben von einer Ausnahme (die SPD-Bundestagsfraktion) abgesehen, überhaupt nicht reagiert. Kinder haben in Deutschland keine Lobby. Das ist ein Skandal!“

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