Autor:  Hinzugefügt am 21.11.2006, zuletzt aktualisiert am 02.06.2018

Nach Emsdetten: Politik fordert Verbot von Killerspielen

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Politik fordert Verbot von Killerspielen. Nach dem Amoklauf im April 2002 in Erfurt wurde es ruhig um Gewalt verherrlichende Computerspiele. Sie verschwanden aus dem öffentlichen Diskurs. Nun hat Sebastian B., der Amokläufer von Emsdetten, sie wieder aufs Tapet gebracht.


Verbot von Killerspielen

Sebastian B. hat mit Sicherheit den Amoklauf wieder salonfähig gemacht. Deshalb fordert der SPD-Innenexperte, Dieter Wiefelspütz, nun ein Verbot von „Killerspielen“. Man müsse sich generell mit der Jugendgewalt befassen. Er stellte jedoch auch klar: Nicht jeder, der Shooter spiele, werde „automatisch zum Massenmörder“.

Der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) geht noch einen Schritt weiter. Er fordert den Stopp der Entwicklung schädlicher Computerspiele. Anders sei ein wirksamer Jugendschutz offenbar nicht mehr realisierbar.

„Spiele, in denen der Erfolg sich an der Verstümmlung und Ermordung möglichst vieler Menschen – Alter, Frauen, Kindern, Polizisten oder schlicht  ‚Feinden‘ misst, sind in keiner Hinsicht zu akzeptieren.“
Jörg Schönbohm

Wirksamer Jugend-Medienschutz

Sein Parteikollege Wolfgang Bosbach (Fraktionsvize und Innenexperte der CDU) sieht Hemmschwellen sinken. Die Bereitschaft, in der Realität Gewalt anzuwenden, könne (durch Killerspiele) deutlich ansteigen, so Bosbach. Er fordert deshalb ein wirksameren Jugend-Medienschutz, „aber keine Killerspiele, die zur Verrohung führen können.“

Shooter kein Ausweg für Verlierer

In einem Gastbeitrag für das Boulevardblatt BILD schreibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, „brutale Computerspiele und Videofilme gaukeln Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren vor“. Auswege für den Verlierer würden „Killerspiele“ nicht bieten.

Der Fraktions-Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, lehnt hingegen ein Verbot der „Killerspiele“ ab. Die „einfältige Forderung der Großen Koalition nach einem Verbot von Killerspielen (reicht) sicher nicht aus“.

Counter-Strike in der Kritik

Die Politiker kritisieren vor allem den Shooter Counter-Strike (CS) von Valve Software. Ein Zusammenhang zwischen Spiel und der Tat kann allerdings bislang nicht hergestellt werden. Schon 2002, nach dem Amoklauf in Erfurt, forderte die Politik ein hartes Vorgehen gegen brutale Computerspiele. In das schlechte Licht rückte damals besonders CS. Die Spieler wehrten sich: Die Politik würde pauschalisieren.

Gestern tötete sich ein Amokläufer in seiner ehemaligen Realschule in Emsdetten. Er schoss eine Lehrerin und den Hausmeister an, und verteilte Sprengsätze auf dem Schulgelände.

Diskussion zum Artikel
21.11.2006 um 11:11 Uhr. Spieler

Ja genau, Killerspiel verbieten und dann ist die Welt wieder in Ordnung. Politiker sollten endlich die wirklichen Ursachen bekämpfen, anstatt Ausflüchte zu suchen. Schaut man sich unsere Nachbarn an (z. B. Österreich, Schweiz): Dort gibt es die sog. Killerspiele unzensiert, d. h. es fließt Blut: Und, herrscht dort nun deswegen eine höhere Jugendkriminalitität?!

21.11.2006 um 11:11 Uhr. Poldi

Wie so oft kommen von unseren Politikern nur „Schnellschüsse“. Die eigentliche Frage wird dabei von der Politik nicht berührt: Wie kommt ein Jugendlicher eigentlich unbemerkt an Waffen und Sprengstoff? Bei Heise gibt es dazu einen erklärenden Artikel:
https://www.heise.de/tp/features/Zeitbombe-Schuetzenvereine-3425039.html

21.11.2006 um 14:14 Uhr. Spieler und Arbeitnehmer

Es ist halt der Weg des geringsten Widerstands – wer wird sich schon stark dafür einsetzen sog. „Killerspiele“ zu befürworten?

Ganztagsschulen, Ausbildungsplätze, bessere Betreuung an Schulen, etc., kosten viel Geld und vor allem Überlegungen. Davon sind in den letzten Jahren zu viele schief gegangen, weshalb so ein leichter „Sieg“ gerade recht kommt.

Wie auch bei vergleichbaren anderen Situationen wird hier nicht die Ursache, sondern lediglich ein Symptom bekämpft. Jemand der übermäßig Ego-Shooter, Kriegs-, Gewaltspiele aller Art spielt und sich an der Brutalität dieser erfreut, hat nicht das Problem ‚Computerspiel‘, sondern ein ganz anderes. Die Beschaffung der Spiele stellt letztendlich nur eine kleine Hürde dar, selbst wenn Sie denn verboten werden sollen. Waffen sind ja ebenfalls nur mit Erwerbsschein in Deutschland zu bekommen…

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