Autor:  Otto Normal Hinzugefügt am 14.04.2007, zuletzt aktualisiert am 15.08.2018

Der neue Sporttrend: Zu Gast auf dem Intel Friday Night Game

Alternate aTTax, Foto: Patrick Dollekamp
Alternate aTTax, Foto: Patrick Dollekamp

Bericht vom Intel Friday Night Game. Der E-Sport lebt! Keine neue These, aber Fakt: Immer mehr junge Spieler organisieren sich in populären Clans, die, unterstützt von Sponsoren, viel erwirtschaften. Es geht um allerhand Geld und um eine neue Art von Wettkampf. Gestern fand die fünfte „Intel Friday Night Game“ (IFNG) der Saison statt, das Freitagnacht-Spiel der ESL ProSeries, die deutsche E-Sport-Bundesliga.


Obwohl reichlich Parkplätze vorhanden, zog es die meisten jungen Gamer per S-Bahn zum Saalbau im Frankfurter Stadtteil Griesheim. Lediglich die Profis kamen mit ihrem Mannschaftsbus. Die Halle, direkt gegenüber vom Bahnhof gelegen, fanden trotzdem viele Zuschauer nicht auf Anhieb. „Entschuldigen Sie bitte, ich habe eine Frage, wo…“, fragen wir einen Kioskverkäufer und werden unterbrochen: „Auf der anderen Seite.“ Wir waren nicht die ersten, die fragten, wo es hingeht. „Was ist da heute Abend überhaupt?“, fragt der Mann belustigt. Nein, Griesheim sieht Derartiges selten. Dabei waren es nur einige hundert Jugendliche ab 16 Jahren, die in die Stadthalle Griesheims passen.

Vor dem Saalbau steht ein Übertragungswagen vom Sender GIGA, fett mit einem Logo verziert, vor dem Eingang der Halle sind viele Jugendliche und zahlreiche Erwachsene im E-Sports-Alter. Es ist 19:30 Uhr.

Frauen haben freien Eintritt

Rein darf nur, wer einen Personalausweis vorzeigt. Extra gemietet wurde dafür Sicherheitspersonal. Im Saal gibt es Getränke zu kaufen, meist ist es Cola; ein Brezel-Mann soll angeblich rumlaufen, wir würden ihn den ganzen Abend über nicht finden. Ganz hinten ist die Bühne, da geht die Show ab, davor: Zwei Blöcke voller junger Menschen. Es sind zumeist Jungs, erstaunlicherweise sind auch einige Mädchen dabei – in der Regel jedoch in den hinteren Reihen. Frauen haben freien Eintritt.

Ein Mitarbeiter von GIGA geht auf die Bühne, wohl eine Mischung aus Aufnahmeleiter und Publikums-Animateur. Er erklärt dem gespannten Publikum, was Sache ist, und was das Publikum machen darf, für die zwei Euro, die sie für den Abend zahlten: Brav in die Hände klatschen – wenn die beiden Moderatoren, eine hübsche Frau und ein Mann, auf die Bühne kommen, wenn es in die Werbung geht und wenn dann GIGA und GIGA 2 wieder live auf Sendung sind. Alles klar? Logo, denn als Dank für soviel Unterstützung bekommt das Frankfurter Publikum T-Shirts.

20 Uhr: Endlich geht es los. Die Moderatoren sind auf Sendung, erzählen, was heute Abend passieren wird und wo wir sind: In Frankfurt am Main. Ja, hier war man schon einmal. Fix wird eine Zusammenfassung einer anderen IFNG eingespielt. Viel zu lang, denken wir uns.

Es gab viele Gewinne von Sponsoren

Irgendwann, es war vielleicht 20 Minuten später, beginnt dann die erste Partie: FIFA 2007. Era von mousesports setzte sich am Ende mit 7 zu 2 gegen Ch3kka von Deutschlands Krankerhorde durch. Danach ist WarCraft 3 dran, wo sich Thurisaz von Praetoriani durchsetzen konnte, mit 2:0. Stets werden die Spiele von zwei Fachmoderatoren kommentiert. Da die WarCraft-Begegnung schneller erledigt gewesen war, als erwartet, musste die Lücke im Sendeplan geschlossen werden. Es gab also ein paar Spiele auf der Bühne, wo es etwas für das Publikum vor Ort zu gewinnen gab. Sponsorpreise natürlich. Eine Sapphire-Grafikkarte, oder ein Mainboard mit passendem Prozessor von Intel. Alles vom Feinsten. Klar.

Der Höhepunkt des Abends stand jedoch noch an. Darum kamen die Meisten. FIFA und WC3 war nur eine Zugabe, die es vorher gab – quasi zum Eingewöhnen, für das, was um 23 Uhr folgen sollte: Counter Strike.

Als erstes kam die Mannschaft von Alternate aTTaX an, die als hessisches Team Heimvorteil hatte. Blicke wendeten sich von den Zuschauern auf die jungen Männer. „CHEF-KOCH“, der Michael Ballack des E-Sports, kam passend zum Wetter – lächelnd, mit Flipflops und dem aTTaX-T-Shirt. Natürlich befinden sich auf den Klamotten entsprechende Hinweise auf die Geldgeber. Im Gegensatz zu den großen Fußballern der Bundesliga, können sich elektronische Sportler noch frei bewegen und unter das Volk mischen. Anders formuliert: Das Volk rennt nicht wie verrückt zu den Spielern, um nach Autogrammen zu jagen. Es ist eher ruhig. Spielerräume gibt es trotz alledem; Zutritt nur für handverlesene Leute. Zumeist von der ESL, oder ein Mitarbeiter der Website.

Buh-Rufe für Tabellenführer mTw

Einzeln kamen dann die beiden Kontrahenten – aTTaX (Tabellenzweiter) und mTw (Tabellenführer) – auf die Bühne und erzählen den Moderatoren, wie sie sich den heutigen Abend denn so vorstellen. Es ist etwa 22:30 Uhr. Als dann mTw auf das Podest kommt, gibt es viele Buh-Rufe.

Der Saalbau ist jetzt voll, mehr passt nicht hinein. Im Foyer sind nur noch wenige Menschen, meistens welche von der ESL oder von GIGA. Als es dann endlich los geht, bleibt es in der Halle erst einmal ruhig. Grund: mTw ist fix mit 6:0 in Führung. Dann aber kommt der Lokalmatador aTTaX und entscheidet in einer fulminanten Aufholjagd die Hinrunde: 8:7 für Alternate. Die Halle tobt.

„Wir gewinnen minimum 16:0“, soll ein Organisator von mTw scherzhaft gesagt haben. Das Lachen verging den mTw‘lern schnell. Auch die zweite Runde war klar in der Hand von aTTaX. Der Saalbau verwandelte sich plötzlich in ein kleines Fußballstadion, nur die passenden Fangesänge fehlten. Am Ende der Begegnung stand es 16:10 für Alternate aTTaX, der Tabellenführer wurde besiegt. Die Stimmung war bei den meisten Zuschauern hervorragend. Jetzt hätte nur noch „Ooooh, wie ist das schön, sooo was hat man lange nicht gesehen“ angestimmt werden müssen, und der Abend wäre stimmungsmäßig perfekt gewesen. Es war kurz vor Mitternacht. Wir fuhren nach Hause. Die S-Bahn, um diese Uhrzeit in kurzer Version, war gerammelt voll. Es war wie bei einem Fußball-Spiel.

Notizen am Rande des Abends

Prominenz besuchte die IFNG auch: Eine junge Dame, vielleicht Mitte 20, ausgestattet mit einem „Press“-Kärtchen, schwenkte sich durch die Halle auf der Suche nach Ihrem Glück. Sie kam nicht aus Jux, und von der Lokalpresse ist sie überhaupt nicht. Nein, das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hat sie geschickt mit dem Auftrag, professionelle Computerspieler zu befragen. Aus der ganzen Motivation heraus fragte sie sogar uns, ob wir hier denn mitspielen würden. Am Ende fand das Mädchen „paN“ vom Clan Alternate aTTaX, den sie, mit einem Fragebogen im Arm, gute zehn Minuten aufhielt. Da die ZDF-Frau uns so sympathisch (ehrlich!) war, widmen wir ihr diese Zeilen.

Die ESL, „Electronic Sports League“, hat unter www.esl.eu einen Internetauftritt, der zu einem kompakten Online-E-Sport-Magazin ausgebaut werden soll. David Hiltscher, Chefredakteur der Website, erzählte uns, dass seine fünfköpfige Redaktion versucht, alle E-Sports-Veranstaltungen abzudecken. Egal, ob GIGA dabei ist, oder nicht. 120 Millionen Page Impressions im Monat zeigen, wie populär die Plattform inzwischen ist. Dabei liegt das Interesse der Leser vor allem auf Counter Strike 1.6 und Source, sowie WarCraft 3. FIFA sei weniger beliebt, würde trotz alledem gut frequentiert werden: Immerhin besteht die ESL nicht nur aus professionellen Mannschaften, sondern hat mit der „Amateur Series“ auch eine Jedermann-Liga, wo zahlreiche Spiele vertreten sind.

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