Kommentar: 7. November 2007,

Computerspiele am Ende? – Streamed-Games-Diskussion

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Nicht nur die Konsole greift den PC an, sondern auch so genannte Streamed Games aus dem Internet. Ein neuer Trend breitet sich aus am Horizont der Videospielwelt.

Das Ende der Computerspiele … könnte den Anfang der „Streamed Games“ darstellen?! Diese Aussage ist natürlich nicht richtig. Computerspiele werden durch einen neuen Dienst, der sich StreamMyGame nennt, nicht aus der Welt geschafft. Vor einiger Zeit hatte ein Mitarbeiter von Electronic Arts (Gerhard Florin) skizziert, wie er sich die Spielewelt in 15 Jahren vorzustellen vermag.

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Ein Dienst wie StreamMyGame hilft jenem dabei, seine Prognose sich bewahrheiten zu lassen. Auf Kosten der Individualität, die im Augenblick ja noch um sich greift, würde dann in einer anderen Bewegung wieder mehr Zentralismus gefördert werden. Eine Settopbox im Wohnzimmer erhält ein Videosignal über eine hohe Bandbreite aus den Untiefen des WWW. Irgendwo steht ein Zentralrechner, der so etwas wie ein “Deep Blue” für 3D-Shooter darstellt und die Firma, die ihn gekauft hat und unterhält – sie lässt sich den Supercomputer via Abonnementgebühren bezahlen. So
weit mein gedachtes Szenario.

Für daheim reichen dann kastrierte Peripheriegeräte, an die eigentlich nur noch eine günstige Grafikkarte angeschlossen werden muss, und die lediglich die Beschallung regelt. Der Fernseher/Monitor indes, er erhält die fertig gerechneten Bilddaten via IP-Paketen über das weltweite Netzwerk gestreamt. Dass sich im Augenblick Privatpersonen noch total hochgezüchtete Rechner kaufen und unheimlich viel Geld für Hardware ausgeben (vermehrt Konsolen) – diese Zeiten könnten dann schon bald der Vergangenheit angehören. Doch dieses Szenario birgt noch mehr, das nicht nur einzig vom Thema Streaming ausgeht.

Der Weg hin zu diesem (zeitweiligen?) Zentralismus, er scheint unabwendbar. Wenn wir uns die Medien(theorie)geschichte angucken, nicht nur durch die Augen von McLuhan, Innis und Co. – aber eben auch -, dann wird schnell deutlich, dass es eine Bewegung zwischen zwei Polen gibt. Streng genommen bestehen diese Pole aus einer Menge von Gegensatzpaaren, von denen eines, der Einfachheit halber, das von Zentralismus und Dezentralismus sein soll. Die Bewegung kann ähnlich der einer Spirale gedacht werden. Wenn wir Arthur Crokers Denken hinzunehmen wollen, dann bewegen wir uns ständig auf einer Skala, die entweder rückwärts gewandt, in die Vergangenheit blickt (z. B. Innis), oder eben prognostisch in die Zukunft schaut (z. B. McLuhan). Einher gehen damit meist Technikfeindlichkeit (Innis) oder -freundlichkeit (McLuhan).

Alle Analysen und alle Theorien zeigen jedoch, dass wir aus der Bewegung zwischen den Polen nicht herauskommen. Zumindest war es bislang immer so, seit die Menschheit sich den Kopf darüber zerbricht, wie Medien die Welt verändern. Vielleicht wird es sogar so sein, dass wir eines Tages die Bewegung in eine der Direktionen nicht mehr aufhalten können?! Gehen wir ein Mal davon aus, es kommt wirklich zu diesem zentralistischen Szenario mit Settopboxen im Wohnzimmer und Hardware, die nicht mehr den Benutzern selbst gehört – was würde sich verändern? Der Markt käme in Bewegung. Wie Florin es sich vorstellt, gäbe es dann nur mehr Kanäle, wie den X-Box-Channel, den Playstation-Channel usf.

Leben wir nicht jetzt in einer Zeit, in der die Software dominiert, und in der vor allem Hardwarehersteller das Nachsehen haben?! Kann dieser Effekt sich nicht beizeiten ins Gegenteil verkehren? Und wird dann Hardware wieder teurer werden, weil sie nicht mehr von den Massen erworben werden wird? Welcher Nutzen könnte aus der Entwicklung für den Kunden entstehen, und an welchen Punkten gäbe es Ergebnisse, die den Akteuren eher schaden?

Tragikomisch ist ebenso, dass die Softwareindustrie, indem sie alle Anwendungen fürs Web programmiert, den Zentralismus fördert. Denn folgerichtig werden aufwändigere Anwendungen, zu denen Spiele ebenfalls gehören, irgendwann, der Rechnerleistung wegen, serverseitig ausgeführt werden. Im nächsten Schritt kann dann der Nutzer seine Eingabegeräte noch schlanker und mobiler erwarten als jetzt sowieso schon. Denn wenn die Schnittstellen zum Zugriff eigentlich nur noch Anzeige- und Eingabegeräte darstellen und die Arbeitsleistung von Infrastruktur im Hintergrund übernommen wird, besteht kein Grund mit zu vielen Ressourcen der Mobilität abträglich zu sein. Fast wäre dies ein schöner Gedanke für den Straßenverkehr – allerdings nur dann, wenn wir ihn virtualisieren würden.

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