Autor:  Hinzugefügt am 14.09.2006, zuletzt aktualisiert am 31.07.2018
Wertung: 7.5

ParaWorld ist Deutschlands teuerstes Strategiespiel

ParaWorld - Screenshot
ParaWorld - Screenshot

ParaWorld im Test. Es ist den Zahlen nach ein richtiges Ungetüm. Die Rede ist von ParaWorld. Es handelt sich dabei um die bislang teuerste Strategiespiel-Produktion aus Deutschland. Acht Millionen Euro soll das Projekt verschlungen haben. Was aber ist die neuartige Spielwelt des Entwicklerstudios SEK wirklich wert? Dieser Frage geht unser Bericht nach.


Der Mathematiker Jarvis Babbit scharrte zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Truppe aus Elitewissenschaftlern um sich. Der so genannte Geheimbund (SEAS) forschte nach mysteriösen Parallelwelten. Nach einer Weile gelingt es Habbit mittels seines Computers Zeiten auszurechnen, um in die ParaWorld zu gelangen. Drei junge Wissenschaftler, Anthony Cole, Béla Andràs Benedek und Stina Holmlund kommen Babbit später auf die Spur und landen ebenfalls in der Parallelwelt. Babbit versucht fortan, sich die drei „Helden“ vom Leibe zu halten.

Viking Park = Jurassic Park

Die 17 Missionen umfassende Kampagne startet mit einem Tutorial, das den Anfang der Geschichte erzählt. In einem aufwändig produzierten In-Game-Video erlebt Ihr die Ankunft der drei Helden im Viking-Park. Der kann kleinere Anspielungen auf „Jurassic Park“ nicht leugnen. Zu Anfang ist es Eure Aufgabe mit der parallelen Welt umzugehen. Für Anthony und seine Gefährten ist es ungewöhnlich, dass sie gegen Säbelzahntiger und Dinosaurier in den Kampf ziehen – mit einer Axt, Schwertern und Speeren. Ungewöhnlich ist auch das Verhalten der Natur, das sich nicht mit dem unserer Erde vergleichen lässt.

Helft den Mammuts!

Im Laufe der Missionen erhaltet Ihr unterschiedliche Aufgaben. Meistens müssen Eure Helden schwachen Kämpfern helfen, oder Mammuts vor der qualvollen Ermordung durch Nomaden retten. Stets mit Zeitdruck und freiwilligen Nebenquests verbunden, deren erfolgreiche Beendigung wertvolle Punkte bringt. Zu Anfang einer jeden Mission und gegen Ende schwenkt die Kampagne in In-Game-Videos um, die die Geschichte der ParaWorld erzählen. Über die Tagebücher der Charaktere, die während des Ladevorgangs angezeigt und gesprochen werden, wird die Geschichte im Detail abgerundet.

Während der Kampagne spielt Ihr alle drei Völker: Das Nordvolk erinnert an skandinavische Krieger wie die Wikinger. In der englischen Version heißt das Volk „Norsemen“. In den ersten Missionen steht das Nordvolk unter Eurer Kontrolle. Im Laufe des Spieles dürfen auch die Wüstenreiter (engl.: Dustrider) gespielt werden. Sie sind Nomaden und folglich sehr flexibel. Der Drachenclan (engl.: Dragon Clan) erinnert an asiatische Völker. Die Stärke dieses Volkes: Hinterhalte. Im Verlauf der Kampagne dürft Ihr selber wählen, mit welchem Volk Ihr in die Schlacht zieht. Als Gegner habt Ihr es außerdem mit der SEAS zu tun. Sie ist das einzige Volk, das als Kampfeinheiten keine Dinosaurier, sondern dampfbetriebene Maschinen verwendet.

Ihr spielt in insgesamt fünf Klimazonen, die sich nicht nur optisch, sondern auch durch verschiedene Inhalte (Tiere) unterscheiden. Im Nordland ist das Nordvolk zu Hause. In der Eiswüste ist es kalt; im Aschetal hingegen kommt man sich wie auf einer Vulkaninsel vor. Der Dschungel und die Savanne runden das Angebot ab.

Schlaue KI

Ihr könnt neben der Kampagne alle Karten im „Freien Spiel“ gegen die Künstliche Intelligenz (KI) spielen. Die ist in unterschiedliche Level eingestuft (eins bis neun).

Ihr stellt vor dem Start des Spieles Eure Armee im „Army Builder“ zusammen und könnt auch „Decks“ abspeichern, sowie mit anderen Spielern austauschen – die Entwickler haben mitgedacht. Das Spiel liefert drei Decks mit: Standard, Boomer und Rusher. Normalerweise startet Ihr mit menschlichen Arbeitern und einem Haupthaus. Es gilt, Holz, Steine und Fleisch abzubauen, Wohnhäuser, Steinmetze und Kasernen für das Militär zu bauen – wie von Echtzeitstrategiespielen gewohnt. ParaWorld kennt allerdings eine weitere Ressource: Skulls. Um diese zu bekommen, müsst Ihr Tiere oder feindliche Einheiten und Gebäude zerstören. Skulls sind wichtig, um eine Epoche nach oben zu steigen – insgesamt gibt es fünf.

Zukünftig oft in RTS zu finden: Der Army Controller

Außerdem braucht Ihr in ParaWorld Skulls, um Ihre Einheiten hochzustufen. Zumindest haben wir das im Test festgestellt. Hochstufen? Auch hier setzt ParaWorld Maßstäbe: Denn Ihr habt im so genannten „Army Controller“ fünf Ebenen, deren Plätze beschränkt sind. Ergo: Sind alle Plätze belegt, werden keine Einheiten mehr produziert. Arbeiter stehen in der untersten Ebene. Truppenteile, die es erst in der dritten Epoche gibt, stehen sofort in der dritten Ebene. Aber Achtung: Die Plätze nach oben werden immer weniger. Ihr müsst Euch also von Anfang an überlegen, welche Einheiten am wichtigsten sind. Es gibt in der fünften Ebene nur den Platz für eine Einheit.

Ihr könnt Eure Kämpfer jederzeit „hochleveln“. Der Clou: Euer Soldat bekommt automatisch wieder volle Stärke, sobald er in eine neue Ebene steigt. So wird es möglich, mitten im Gefecht die Kampfeinheit hochzuleveln, kurz bevor sie zerstört ist. Sie ist dann wieder voll einsatzfähig. Die Helden haben außerdem besondere, für die ParaWorld untypische Fähigkeiten, die sich mitunter auf Einheiten in der Nähe des Helden auswirken – sowohl positiv (für die eigenen Einheiten) als auch negativ (für die Gegner).

Der Army Controller kann allerdings noch mehr: Er bietet jederzeit die Möglichkeit, Eure Einheiten zu kontrollieren, ganz gleich, wo sich diese gerade befinden. Einheiten könnt Ihr mit maximal drei Klicks von einem Ende der Karte zum anderen schicken.

Gut balancierter Mehrspielermodus

Seit einigen Wochen ist klar, dass ParaWorld zukünftig in der ESL ProSeries, die Bundesliga des E-Sports gespielt wird. Außerdem löste ParaWorld WarCraft 3 als so genanntes „Gold-Spiel“ in der Netzstatt Gaming League (NGL) ab. In den letzten Tagen fanden erste Turniere mit hoch dotierten Preisen statt. Beim GC After Hour Cup gab es 2.000 Euro Preisgeld und weitere 5.000 Euro bei einem Demo-Tunier. Mehrere hundert Teilnehmer, darunter bekannte „ProGamer“ aus der WarCraft-3-Szene wie miou vom Clan SK.gaming zeigen, dass ParaWorld im Mehrspielermodus große Anerkennung findet.

Ihr habt entweder die Möglichkeit übers Internet (via GameSpy) oder im LAN, über die direkte Eingabe einer IP-Nummer, oder über die offiziellen Dedicated Server mit anderen Spielern zu spielen. Insgesamt gibt es drei Mehrspielermodi: Deatmatch, sowie Defender (Verteidigung) und Domination (Eroberung und Sicherung). Durch das große E-Sports-Potential haben sich schon zahlreiche Taktiken entwickelt, die auf diversen Szeneseiten nachgelesen werden können. Dadurch bietet ParaWorld eine große Vielfalt an Möglichkeiten. Dank prominenter Unterstützung im Game Design (Flagship Studios – die Entwickler von Hellgate: London; Noah Falstein – u. a. Indiana Jones) spielt sich ParaWorld ähnlich gut wie Genre-Referenzen à la StarCraft und WarCraft 3.

Leider fehlt im Mehrspielermodus eine Lobby, über die sich die Spieler austauschen können. Entwickler SEK kündigte jedoch an, das in einem späteren Patch nachzureichen.

Gelungene Animationen

Das Spieleentwicklungskombinat (SEK) hat mit PEST seine eigene 3D-Engine entwickelt. Dabei ist den Entwicklern eine sehr schöne und detaillierte Grafik gelungen. Trotzdem sind die Hardware-Anforderungen nicht hoch. Selbst in der untersten Grafikstufe (eins) sieht das Spiel noch viel besser aus als manch anderes Echtzeit-Strategiespiel. Besonders gelungen sind die Animationen. Allerdings ist uns im Test aufgefallen, dass Bogenschützen auf einer berittenen Einheit nach links schießen, obwohl der Gegner sich rechts befindet. Das sollten die Entwickler noch verbessern.

Orchester-Musik von Dynamedion

Große Geschütze hat Publisher Sunflowers in puncto Akustik aufgefahren. Niemand anderes als das Mainzer Unternehmen Dynamedion ist für die Hintergrundmusik verantwortlich. Die Musik ist dynamisch und wurde mit echtem Orchester aufgenommen – wunderschön.

Auch konnten prominente Sprecher für die Hauptcharaktere gewonnen werden: Dietmar Wunder spricht Cole, sonst synchronisiert er Adam Sandler. Joachim Kerzel spricht eigentlich Dustin Hofmann und Richard Harris – in ParaWorld synchronisiert er Babbit.

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