Autor:  Qiong Wu Hinzugefügt am 27.06.2005, zuletzt aktualisiert am 06.06.2018
Wertung: 7.0

Mittelalterlicher Burgenbau mit viel Liebe zum Detail in Stronghold 2

Stronghold 2 - Screenshot
Stronghold 2 - Screenshot

Stronghold 2 im Test. Wir spielten den Vorgänger auf unseren LAN-Partys solange, bis wir alle Unausgeglichenheiten herausfanden. Mit spaßigem Burgenbau und Belagerungen epischen Ausmaßes soll nun auch der zweite Teil brillieren, dazu noch in drei Dimensionen. Als nettes Extra packt der Publisher einen Patch auf Version 1.1 bei, mit dem wir vorab einige Fehler beheben.


Strategie mit hohen Hardware-Anforderungen

Als ersten Wermutstropfen muss ich die hohen Systemanforderungen nennen. Laut Verpackung reichen etwa 1,5 GHz und eine Grafikkarte mit 32 MB. Doch das Kampfgeschehen in Stronghold 2 erfordert wesentlich mehr Leistung.

Auf unserem Test-PC mit einem AMD Athlon XP 2100 Prozessor, einer GeForce FX 5600 und satten 512 MB DDR-RAM ruckelte das Spiel selbst bei herunter geregelten Grafikoptionen noch stark. Vor allem bei großen Belagerungen macht sich das Ruckeln bemerkbar. Der Spaß an lustigen Massenschlachten wird dadurch leider stark beeinträchtigt. Besitzern eines PCs unter diesen Spezifikationen können wir deshalb nicht zu Stronghold 2 raten.

Gewohntes Gameplay

Sieht man von der Grafik mal ab, spielt sich Stronghold 2 eigentlich genauso wie sein Vorgänger. Ähnlich wie in der Caesar-Reihe setzt Ihr Gebäude auf die Landkarte. Die müssen dann nur noch von Euren treuen Untertanen besetzt werden. Dann nehmen sie sofort vollen Betrieb auf. Im Idealfall klappt das auch. Es sei denn, Eure Untertanen sind unzufrieden und wollen nicht arbeiten.

Gründe gibt es ja genug. Sie beschweren sich etwa über Ratten, Kriminalität, Hunger und natürlich die zu hohen Steuern. Und als Reaktion bleibt die Bevölkerung untätig. Alle Betriebe stehen still und außerdem verlassen die unzufriedenen Bewohner sogar Eure Stadt, falls sich die Zustände nicht ändern.

Detaillierter Blick

Im Gegensatz zu vergleichbaren Spielen bietet Stronghold 2 Einblick in eine Vielzahl von Gebäuden. Besonders schön sind die Kämpfe zwischen Einheiten, die etwa in einem Turm stattfinden. Diese Türme sind innen sogar dekoriert. Sogar eine Treppe befindet sich darin. Aber auch viele andere Gebäude lassen eine große Detailverliebtheit erkennen. In fast allen Gebäuden kann man den fleißigen Arbeitern beim Schuften zusehen. Natürlich sind besonders die Schlachten ein wahrer Augenschmaus.

Wenig Innovation in Stronghold

Stronghold 2 bietet zwar eine schöne Grafik, geizt dafür aber mit Innovationen und neuen Features. Es orientiert sich mehr oder weniger am Spielprinzip des ersten Teils. Dazu zählt der Aufbau und die Art der Militärführung. Es gibt immerhin ein neues System, das auf Ehre basiert, und ein Ländereien-System.

Das Ehrensystem beschert Euch eine zusätzliche Ressource, die „Ehre“. Die verwendet Ihr beispielsweise zur Rekrutierung von Einheiten oder zum Erwerb neuer Ländereien. Ihr bekommt Ehre durch niedrige Steuern, das Veranstalten von Festen oder Ritterturniere.

Fast alle neuen Gebäude in Stronghold 2 stehen irgendwie mit dem Ehrensystem in Verbindung. Die Kirche verschafft Euch mithilfe von Kerzen und mittelalterlich-christlichem Glauben Beliebtheit und Ehre. Die Burgküche wiederum bereitet die nötigen Speisen für ehrenhafte Festmähler zu.

Der Umgang mit Ländereien

Apropos Ländereien. In Stronghold 2 erweitert Ihr das Gebiet Eures Burgherren nicht wie im Vorgänger einfach durch den Bau von Gebäuden. Ihr verwaltet es im Ländereiensystem. Es legt strikt abgegrenzte Gebiete fest. Die erwerbt Ihr ebenfalls mithilfe von Ehre. Über diese Gebiete dürft Ihr nicht hinaus bauen.

Die Verwaltungsmöglichkeiten weisen noch Fehler auf. Es ist nicht möglich, für verschiedene Ländereien unterschiedliche Steuersätze und Nahrungsrationen zu setzen. Dabei sind die Kornspeicher und Lagerbestände getrennt. Ihr bekommt außerdem keine genaue Statistik einzelner Ländereien, lediglich für die Hauptprovinz. Entsprechend habt Ihr also keine Ahnung, welche Nahrungsmittel in einer bestimmten Provinz fehlen und könnt so nicht gezielt für Nachschub sorgen.

Unlogisch ist außerdem, dass die Baumaterialien nicht getrennt gehandhabt werden, sondern nur aus der Hauptprovinz stammen. Es reicht aus 500 Holz in der Hauptprovinz zu haben, um ein Gebäude für 500 Holz in irgendeiner Nebenprovinz zu errichten.

Auf der anderen Seite werden seltsamerweise Fuhrmannsposten benötigt, um einen speziellen Rohstoff von einer Provinz zur anderen zu transportieren. Holz kann sich anscheinend durch den Raum teleportieren. Der Fuhrmannsposten ist die einzige (versteckte) Art, sich genaue Informationen über den Lagerbestand einer Provinz zu verschaffen.

Jetzt auch mit Formationen

Anders als in der Wirtschaft gibt es in Sachen Militär im Spiel mehr Neuerungen. Ihr könnt Einheiten jetzt etwa in verschiedenen Formationen aufstellen und auf diese Weise dem Gegner besser trotzen. Das bringt unter Umständen frischen Wind in das von Uphill-Boni und Feldschlachten dominierte Spiel.

Und auch in punkto militärischer Burg und Wallbau bietet Stronghold 2 jetzt mehr Ausbaumöglichkeiten als der erste Teil. Neben den alten Feuerballlisten und Pechgruben können auch Steinkipper, brennende Holzstämme, Mörderlöcher, Schießscharten, Holzprotektionen, Ausfallpforten und Steinkübel zur zusätzlichen Verteidigung der Burgwälle errichtet werden. Besonders amüsant ist es etwa, einen Haufen Steine per Mausklick auf angreifende Gegner herabfallen zu lassen.

An militärischen Einheiten gibt es aber in Gegensatz dazu kaum Neuzugänge. Die meisten wurden aus dem ersten Teil und dessen Erweiterung „Crusader“ übernommen. Lediglich Kriegermönche, Diebe, Vogelfreie, piktische Bootskrieger, bewaffnete Bauern, Berserker und Axtwerfer erweitern das Einheitenrepertoire.

Qualität statt Quantität

Doch die Entwickler haben bei der Gestaltung neuer Einheiten offensichtlich auf Qualität statt Quantität gesetzt. Jede dieser Einheiten ist mit bemerkenswerten Spezialfähigkeiten ausgerüstet. So können piktische Bootskrieger mithilfe ihres Bootschildes etwa über Wasser fahren, um den Gegner an unerwarteten Positionen zu überraschen. Oder Diebe können sich als gegnerische Bauern tarnen, um in die Goldkammer des Gegners zu schleichen.

Schlachten epischen Ausmaßes

Die massiven Schlachten aus den Vorgängern sind geblieben. Die werden nun aufgepeppt durch neue Grafik, Formationen und neue taktische Einheiten.

Ihr könnt mithilfe der mittleren Maustaste die Kamera rotieren und zoomt reibungslos. Insgesamt schaffen die Entwickler den Sprung von 2D auf 3D also ohne irgendwelche Steuerungskatastrophen und übernehmen die Steuerung von Militäreinheiten und die Verwaltungsmöglichkeiten der Burg hauptsächlich aus dem ersten Teil. Das Einzige, das die Stronghold-Gemeinde eventuell betrauern könnte, ist der alte Burgenbauerassistent, der Euch jetzt nicht mehr so oft mit seiner Fratze beglückt.

Elender Gamespy-Wagen

Im Mehrspielermodus macht Stronghold 2 natürlich noch am meisten Spaß. Auf LAN-Partys ist das Spiel ein großer Knüller. Doch der Spaß im Internet wird gedämpft. Für lustige Multiplayerpartien bescheren die Entwickler dem Spiel außerdem noch einen Editor. Im Vergleich zum Editor des ersten Teils bietet dieser rudimentäre Trigger. Sie nehmen im Spiel natürlich nicht den Stellenwert ein, wie etwa bei Warcraft III. Der Editor konzentriert sich natürlich nach wie vor eher auf die Erstellung toller Terrains.

Karriere in Wirtschaft oder Militär

Ich widme mich nun aber noch der Kampagne. Interessant ist, dass Stronghold 2 Euch die Möglichkeit lässt, zwischen einer Wirtschaftskarriere und einer militärischen Karriere zu wählen. Die Story ist mehr oder weniger klassisch. Der edle Burgherr muss tolle Taten vollbringen und böse Gegner umlegen, auch im Mittelalter spielt die alte Leier.

Kreativ waren die Entwickler dafür bei der Gestaltung der Missionen. Die sind nicht etwa von einander losgelöst auf verschiedene Maps verteilt, sondern spielen länger auf einer Karte. Das führt dazu, dass Ihr Einheiten und Gebäude aus der vorherigen Mission behaltet. Außerdem sind die Missionsziele oft sehr amüsant und herausfordernd. So müsst Ihr beispielsweise einmal die Burg eines anderen Burgherren aufpäppeln und verwalten, damit dieser sich einer holde Maid suchen kann. Die Kampagne ist alles andere als langweilig.

Fazit

Stronghold 2 ist ein solider Nachfolger des erstens Teils und besticht durch eine erstaunlich detailverliebte Grafik. Die Systemanforderungen an den PC sind jedoch nicht zu verachten. Die Schlachten und Gebäude sind in 3D noch schöner anzusehen und wirken realistischer.

Neben einem eher unspektakulären Ehre-System bietet das neue Spiel noch einige wenige, dafür umso interessante Einheiten. Das Gebietsverwaltungssystem ist allerdings unpraktisch. Unter dem Strich überzeugt das Spiel. Wir können es bedenkenlos für Fans von Aufbau- und Strategiespielen empfehlen.

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