Autor:  Matze Fenn Hinzugefügt am 21.09.2012, zuletzt aktualisiert am 20.01.2022
Wertung: 5.0

Test: Risen 2: Dark Waters

Game-Controller, Bild: CC0
Game-Controller, Bild: CC0

Ahoi Matrose! Willkommen in der eigenartigen Welt von Risen 2: Dark Waters. Wer auf dem Computer einen guten Eindruck hinterlässt, der muss auch auf den Konsolen punkten? Diese Frage stellen wir in unserem Test.


Wie alles beginnt

Die erste Videosequenz war vorbei und schon ging es los. Ich bin die ersten Meter gelaufen und dachte mir: „Was ist das denn?“ Es gab so krasse Ruckler und Aussetzer (insbesondere bei der automatischen Speicherung), dass ich meinen Augen kaum trauen konnte. Leider ändert sich das über das ganze Spiel hinweg nicht. Man gewöhnt sich nur nach einer Weile daran. Aber auch für mich war das eine bodenlose Frechheit, so etwas in die Regale zu stellen.

Aber natürlich hat Risen 2 weit mehr zu bieten. Zu Anfang helft ihr eurer Weggefährtin Patty, die von ein paar Monstern am Strand angegriffen wird – dadurch schließt sie sich euch an.

Während ihr eure Heimatstadt und den Strand erkundet, laufen euch viele Leute über den Weg, mit denen ihr reden könnt und die euch alles Wichtige beibringen und erzählen. Mimik und Gestik der NPCs sind allerdings von vorgestern. Von einigen Gesprächspartnern erhaltet ihr eure Quests, die ihr in beliebiger Reihenfolge lösen und erfüllen könnt.

Ihr erfahrt unter anderem, dass das Seeungeheuer Mara der Inquisition und den Piraten zu schaffen macht. Es griff letzte Nacht am Strand an und brachte ein weiteres Schiff zum Kentern. Euer Charakter ist der Auserwählte, der Mara nun stoppen soll, mithilfe von Patty, der Tochter des Piratenkapitäns Stahlbart. In diesem Verbund sollt ihr eine Waffe finden, welche angeblich von den Piraten entwickelt wurde.

Ihr schlüpft – undercover – in die Haut eines Piraten, der nach einiger Spielzeit sogar sein eigenes Schiff befehligt. Ihr werdet richtig in die Atmosphäre der Piraten hereingezogen.

Auf der Insel der Piraten könnt Ihr ebenfalls viele Quests erledigen, oft spielen hierbei der Tag- und Nachtwechsel eine entscheidende Rolle. Oder Ihr könnt euch in Saufspielen ein bisschen Geld oder sogar Schatzkarten hinzuverdienen.

Die Story ist jedoch bestenfalls Mittelmaß. Es fehlen Höhepunkte, überraschende Wendungen, interessante und tiefgreifende Unterhaltungen. Die Quests sind zwar zahlreich, jedoch bestehen diese oft nur aus „Hol dies …“, „Bring das …“. Hier haben die Macher eher auf Quantität als auf Qualität geachtet.

Auch der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen.

Risen 2 fordert zwar nicht allzu viel vom Spieler, jedoch bekommt es dadurch einen angenehmen Fluss.

Selbst wenn man später zwischen den Fraktionen wählen kann (Inquisition, Piraten und Eingeborene), gibt es keine fraktionsgebundenen Quests. Niemand steht irgendwie im Konflikt mit anderen Fraktionen. Es gibt auch keine Sympathiepunkte für die jeweiligen Fraktionen zu sammeln.

Wer Patty nach einer Weile satthat, kann später einen anderen Partner wählen: Ihr könnt Patty behalten oder einen anderen Piraten, einen Eingeborenen oder sogar einen Gnom wählen. Das kann entscheidend sein, denn eure Begleiter können euch wichtige Tipps oder ein gutes Training von bestimmten Fähigkeiten bieten.

So macht ihr euch auf den Weg über zahlreiche und abwechslungsreiche Inseln. Jede bietet etwas Neues, hat ihr eigenes Flair und ihr könnt schön gestaltete Gebäude betrachten, unterschiedliche Höhlen erkunden und euch durch einen schönen Urwald schlagen. Auf eurem Weg könnt ihr Schätze finden oder Tiere zähmen, aber auch Tränke brauen und Schwerter und Pistolen schmieden. Doch aufgepasst, es lauern leider zahlreiche Grafikfehler: An den tollen Stränden ploppen vor euch plötzlich Gegenstände im Strand hoch, das Wasser wird erst nach und nach abgebildet, oder eure Umgebung flackert … wir könnten diese Liste an Grafikfehlern noch weiterführen. Das ist schade, denn diese optische Irritation kann einem die Lust schon ganz schön verderben.

Was euer Held so alles kann …

Euer namenloser Held sollte natürlich auch durch besondere und tolle Fähigkeiten bestechen, aber auch die sucht ihr oft vergebens. Während ihr durch das Erledigen von Quests oder töten von Monstern Erfahrungspunkte sammelt, könnt ihr euch bestimmte Fähigkeiten erwerben oder ausbauen. So könnt ihr z. B. vielseitiger und effizienter kämpfen oder leichter Schlösser knacken.

Gefallen hat uns auch, dass ihr Fähigkeiten bei bestimmten Personen gegen Geld erlernen könnt, um in Gesprächen mit anderen NPCs einschüchternd zu wirken oder andere zu etwas überreden zu können. Das erleichtert euch das Leben auf den Inseln enorm. So könnt ihr auch für eure Kämpfe trainieren und euch z. B. schwere Hiebe bzw. Schläge zeigen lassen, oder Tricks und Kniffe, die euch im Kampf helfen, wie Tritte oder das Werfen mit Sand. Auch das Kontern von Schlägen wird euch hier beigebracht.

Was sich jedoch nach einem tollen Kampfsystem anhört, ist in Wirklichkeit ein ziemlich gealtertes Prinzip. Ihr werdet schnell merken, dass Kämpfe gegen schwache Gegner keinerlei Herausforderung sind. Ihr müsst einfach nur drauflos kloppen mit eurem Säbel. Habt ihr dann Konterattacken oder die oben erwähnten Tricks und Kniffe erlernt, solltet ihr auch kein Problem haben, gegen stärkere Gegner mit Leichtigkeit zu bestehen. Das Kampfsystem wirkt schlecht inszeniert und gealtert. Zu Anfang ist das vielleicht noch auszuhalten, nach dem hundertsten Kampf aber einfach nur noch lästig.

Einzig die Fähigkeit des Voodoo hat mich überzeugen können. Diese werdet ihr im Verlauf des Spiels von den Eingeborenen lernen und könnt euch anschließend in die Körper anderer NPCs hineinversetzen und diese steuern. Das ist nützlich, um an Orte zu kommen, die für euren Charakter unerreichbar waren, oder um euch das Sozialleben abermals etwas leichter zu machen. Eine innovative Idee, die wir uns viel öfter gewünscht hätten.

Störend war oft auch die Kameraführung. Während eines Kampfes geriet mir der Gegner oft aus den Augen und ich musste erst via Kameraführung probieren, ob und wie ich ihn wieder ins Bild bekomme. Zwar sind das alles nur Kleinigkeiten, aber auf Dauer sind diese sehr störend.

Schön wäre es auch gewesen, wenn euer Held selbst Schiff fahren hätte können. Leider könnt ihr aber nur auf das jeweilige Schiff, müsst eure Insel auswählen und seid auch schon da. Ebenfalls könnt ihr euch den manchmal weiten Weg sparen und per Knopfdruck vom Auftraggeber zu eurem Ziel teleportieren. Fand ich gut, denn oft musste ich den gleichen Weg 2–3 gehen und dabei immer wieder gegen lästige Gegner kämpfen, die ich davor schon besiegt hatte.

Euer Held, der gar kein Held ist!

In Sachen Bewegung oder Rhetorik fehlt eurem Helden einiges. Auch in Sachen Kampf kann euer Held nur wenig bieten, genau wie in Unterhaltungen, die oft einfach nur stupide nach einem bestimmten Raster ablaufen. Euer Held, der angibt, der beste zu sein, kann auch nicht lange sprinten, oder von Anfang an schwere Hiebe bei Kämpfen ausführen.

Das gehört sich eigentlich so nicht für jemanden, der sich für den „Besten“ hält. Was mir auch wieder sauer aufgestoßen ist: Ich konnte im Sprung nicht mal meine Richtung ändern. In bestimmten Situationen wäre genau das aber sehr nützlich gewesen. Auch klettern kann euer Charakter nicht – und das in einer so tollen Umgebung, die geradezu nach Kletterabenteuern schreit. Nur dann wären wir vermutlich bei Assassin’s Creed und nicht bei Risen.

Fazit

Risen 2: Dark Waters bietet eine tolle Umgebung in Form von unterschiedlichen Inseln, eine fesselnde Atmosphäre und viele Möglichkeiten. Was aber auf dem PC dank mäßigen Story-Elementen, Kampfsystem und Charakteren noch ein mittelmäßiges Rollenspiel ist, wird auf den Konsolen dank riesiger technischer Defizite ein Desaster.

Während ihr ein ruhiges, entspanntes Südsee-Abenteuer bestreiten könntet, nerven Pop-ups, Grafikfehler oder Ruckler. Und das leider oft so lange, bis man die Geduld verliert und das Spiel in die Ecke legt. Dabei bietet Risen 2: Dark Waters wirklich sehr viel ungenutztes Potenzial und teilweise tolle Ansätze.

Eine Kaufempfehlung kann ich nur bedingt aussprechen und wenn überhaupt, dann wohl eher für euren PC.

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