Autor:  Hinzugefügt am 06.11.2006, zuletzt aktualisiert am 04.06.2018
Wertung: 7.0

Die Fußballhymne mit Misstönen kommt von Pro Evo 6

Pro Evolution Soccer 6 - Screenshot
Pro Evolution Soccer 6 - Screenshot

PES 6 im Test. Der Herbst 2006 läutet die nächste Runde des Zweikampfes um den Fußballthron ein. Konamis Pro Evolution Soccer 6 will den eigenen Vorgänger toppen und die Konkurrenz ins Abseits laufen lassen. Ob der neueste Teil der Fußballsimulation nur von seinem guten Ruf lebt oder für Überraschungen sorgen wird, klärt unser Test der beiden Konsolenversionen.


Lizenz-Leiden

Konami hat es schon nicht leicht. Die Fangemeinde der PES-Teile wächst von Mal zu Mal. Die bisherigen Verkaufszahlen der sechsten Auflage liegen im siebenstelligen Bereich und lassen wohl schon die Sektkorken knallen. Doch ebenso ist man sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst. Das hohe Maß an Realismus mit seiner Speerspitze, der Ballphysik, ist das Ass im Ärmel vom Team um Masterbrain Shingo „Seabass“ Takatsuka.

Die Lizenzen sind immer ein beliebtes Gegenargument von Verfechtern der Konkurrenzreihe. Diese Fraktion kann sich seit dem Release von PES 6 wohl mit einem breiten Grinsen zurücklehnen. Schließlich hat sich durch einen Lizenzvertrag zwischen der Deutschen Fußball-Liga und Electronic Arts das Thema Bundesliga für Konami bis auf weiteres erledigt. Doch es kommt schlimmer als in Teil 5: Anstelle der deutschen Liga mit Fantasievereinen ist nur noch der Rekordmeister FC Bayern München wählbar. Dafür allerdings voll lizenziert. Die übrigen deutschen Mannschaften, obwohl ohne Originalnamen und -symbole, fielen dem Zeitdruck und der DFL-Lizenz zum Opfer.

Bundesliga fehlt

Das Fehlen der deutschen Liga ist ohne Frage das offensichtlichste und größte Manko des Spiels. Dennoch jammern wir auf sehr hohem Niveau. Wer auf die Bundesliga verzichten mag und ebenso darüber hinweg sehen kann, dass statt dem nicht lizenzierten Oliver Kahn eben Michael Rensing das Bayern-Gehäuse hütet, wird seine wahre Freude an der Simulation haben. Ohne Einschränkungen, also mitsamt aller Namen, Trikots und Wappen, sind die Ligen aus Italien, Frankreich, Holland und Spanien anwählbar. Juventus Turin wurde allerdings konsequent aus der Serie A entfernt und ist, wie auch Bayern München, im Rest der Welt zu finden. In der englischen Liga laufen nur Arsenal London und Manchester United mit Originaldaten auf.

Auch die Fußballweltmeisterschaft in diesem Sommer hat ihre Spuren im Spiel hinterlassen. Das Team um „Seabass“ änderte aufgrund des teilweise überraschenden Turnierverlaufes einige Statistiken der Teams. Das enttäuschende Abschneiden der Brasilianer quittierte Konami mit einer Abstufung ihrer Spielstärke. Um das deutsche Team kümmerte sich Shingo Takatsuka höchstselbst. Angetan von ihrer Spielweise verbesserte er ihre Eigenschaften. Deutschland zeigt nun auch im Videospiel erfrischenden Offensivfußball.

Ballkontrolle vom Allerfeinsten

Das Prunkstück der PES-Serie war und ist ihr hohes Maß an Spieltiefe und Realismus im Hinblick auf die Steuerung. Den Standard noch weiter nach oben zu verschieben war die wohl größte Herausforderung für Konami. Das ist größtenteils gelungen. Die Spieler bewegen sich realistisch und nachvollziehbar auf dem Rasen.

Trotzdem ist die Steuerung auch für Neueinsteiger schnell zu erlernen. Wer alle Feinheiten der Ballkontrolle ausloten will, braucht traditionsgemäß einige Tage dafür. Der Ball an sich ist das absolute Sahnestück des Spiels. Alles, was man mit ihm anfängt, erweckt den Eindruck, dass es so auch auf dem Sportplatz nebenan passiert sein könnte. Er hoppelt übers Grün, klebt nicht wie ein Magnet am Fuß, er verspringt den Spielern und zappelt gelegentlich im Tornetz.

Der Weg bis ins Netz gestaltet sich allerdings schwieriger als noch im fünften Teil. Noch mehr muss man die Schusshaltung des Spielers beachten. Distanzschüsse für die Galerie fallen nicht in Massen, sondern müssen mit viel Feingefühl präzise getimt werden. Beim Torschuss hat Konami auch erfahrenen Spielern noch Raum für Trainingseinheiten gelassen.

Endlich 3D-Zuschauer auf 360

Erwartungsgemäß sind die Unterschiede im grafischen Bereich am offensichtlichsten zwischen PlayStation 2 und Xbox 360. Während sich beide Versionen, abgesehen vom Controller, sehr ähnlich spielen, ist die Kulisse in der Xbox-360-Version feiner gezeichnet. Eine neue Grafik-Engine auf der Konsole sorgt für flüssige Animationen und stimmungsvolle Stadien. Die Zuschauer sind erstmals in 3D animiert und auch im laufenden Spiel hinter der Bande zu sehen.

Selbst wenn bei der Qualität der Zuschauer noch viel Luft nach oben ist, merkt man im Vergleich deutlich, dass dies der richtige Schritt war. Die Atmosphäre ist einfach eindrucksvoller. Auf Microsofts Konsole erkennt man die meisten Spieler allein schon an ihren Bewegungen. Die wurden nach PES 5 nochmals verfeinert. Gestik und Mimik wurden stark verbessert und tragen so dazu bei, dass die Realismus-Schraube weiter angezogen wird.

Taktische Neuerung: Schneller Freistoß

Auffälligste Neuerung im Spiel ist die Möglichkeit, einen Freistoß schnell auszuführen. So soll der Gegner überrascht werden und die Angreifer können entscheidende Meter Vorsprung machen. Das klappt allerdings nur im Online-Modus wirklich gut. Spielt man am heimischen TV gegen Freunde, sehen diese die Tastenkombination aufblinken, die man drücken muss für den schnellen Freistoß. Derart vorgewarnt verpufft die Überraschung meistens. Online wird auf dem Bildschirm des Gegners dagegen nicht angezeigt, dass der Gefoulte einen schnellen Freistoß ausführen könnte.

Fazit: Die inneren Werte zählen

Die optische und spielerische Klasse der Serie wurde verhältnismäßig zaghaft verbessert. Der größere Wert wurde auf die „inneren Qualitäten“ gesetzt: PES 6 spielt sich schlichtweg grandios, die Animationen laufen flüssig und auch die Soundkulisse trägt ihren Teil zur Stadionatmosphäre bei. Die Unparteiischen geben sich ebenfalls Mühe, das Spiel im Fluss zu halten. Sie lassen mehr durchgehen und öfter Vorteil laufen. Auch die Torhüter haben die Zeit zwischen Teil fünf und sechs genutzt und zeigen deutlich stärkere und realistischere Aktionen.

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