Autor:  Hinzugefügt am 18.10.2006, zuletzt aktualisiert am 07.01.2018
Wertung: 4.0

Fallen Lords: Condemnation möchte drei Genres verbinden

Fallen Lords: Condemnation
Fallen Lords: Condemnation

Fallen Lords: Condemnation im Test. Das Spiel versucht sich an der Mischung aus Action und Strategie, gewürzt mit einer Priese Rollenspiel. Zum einen steuert Ihr einen einzelnen Charakter aus der Schulterperspektive, zum andern führt ihr bis zu 200 Mann starke Armeen in die Schlacht. Leider scheitert das Spiel von Novarama am eigenen Anspruch.


Aller guten Dinge sind Drei

Mit einem markieren „Fallen Lords: Condemnation“ begrüßt euch nach dem Spielstart das Hauptmenü. Ein Intro, das Euch in die Geschichte einführt, fehlt leider. Stattdessen weisen deutsche Texte, von guten englischen Sprechern vorgetragen, in die einzelnen Kampagnen ein. Davon gibt es insgesamt drei. Ihr habt die Wahl zwischen den Engeln, den toten Seelen und den Dämonen. Unterschiede zwischen den drei Rassen sucht Ihr indes vergebens. Lediglich optisch gibt es entsprechende Differenzen. Jede der Parteien verfügt über drei Grundeinheiten, bestehend aus einfachem Kämpfer, starkem Krieger und flinkem Magier. Doch es fehlt an spürbaren Unterschieden.

Einheiten wenig unterscheidbar

Der Krieger kann mehr einstecken als der Kämpfer, und stärker austeilen. Beide unterscheiden sich theoretisch auch bei den Schlagvarianten. Davon ist in den Kämpfen jedoch wenig zu spüren. Die Auseinandersetzungen art meistens in wildes Geklicke aus. Oft steht Ihr einer Übermacht gegenüber.

Noch schlimmer ist es bei den Zaubersprüchen. Euch steht nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung, sie auszuführen. Klickt zunächst die rechte Maustaste und dann eine Kombination aus den WASD-Tasten. Eine Liste der Zaubersprüche in Fallen Lords: Condemnation gibt es nicht. Also müsst Ihr sie selber suchen. Wir haben im Test lediglich zwei gefunden. Eine verrät Euch das Spiel bereits auf dem Trainingsplatz. Heilzauber führt der Magier selbstständig aus, wenn Ihr ihn nicht selber steuert. Beim Zaubern verbraucht Ihr Mana. Ihr könnt es mit Manaflaschen wieder auffrischen, oder einfach warten bis sich Euer Vorrat wieder von alleine auffüllt. Zaubern und Reiten gleichzeitig funktioniert nicht.

Hoppe, hoppe Reiter

Reittiere gibt es in zwei Ausführungen. Die kleinen dienen nur zur Fortbewegung. Die großen sind zusätzlich mit Kanonen bewaffnet. In einigen Missionen der streng linearen Kampagnen steuert Ihr mehr als einen Charakter.

Mit dem Krieger schnetzelt Ihr Euch durch Gegnerhorden. Mit dem Magier betätigt Ihr entfernte Schalter, um Durchgänge zu öffnen. Zwischen den Figuren könnt Ihr einfach per Tastendruck hin- und herwechseln.

Truppen fallen nicht vom Himmel

An anderer Stelle führt Ihr Truppen in die Schlacht. Ihr müsst aber keine Ressourcen abbauen und auch keine Basis aufbauen. Fallen Lords: Condemnation stellt Euch automatisch Truppen zur Verfügung, wenn es in den Missionen erforderlich ist. Nachschub gibt es keinen. Habt Ihr Euer Kanonenfutter verheizt, zieht Ihr vorerst wieder als Einzelkämpfer durch die Lande.

Zwar könnt Ihr euren Soldaten verschiedene Formationen zuweisen, doch spätestens beim ersten Feindkontakt lösen sich diese in Wohlgefallen auf. Generell liefert die künstliche Intelligenz (KI) keine Glanzleistungen ab. Freund und Feind reagieren zwar auf Beschuss. Jedoch bleiben beide gerne an Ecken und Kanten hängen. Strategisch stößt Fallen Lords: Condemnation damit an seine Grenzen.

Hauch von Rollenspiel: Nur nicht pusten

Auch von den Rollenspiel-Elementen bleibt wenig übrig. Die erste Mission der Engel-Kampagne bietet immerhin den Hauch eines Rollenspiels. Wollte Ihr einen Bogen einsetzen, beötigt Ihr die Stufe Fünf in den Nahkampffähigkeiten. In den nachfolgenden Missionen merkt man davon aber nichts mehr.

Zumindest könnt Ihr für Euren Protagonisten zwischen verschiedenen Waffen wählen, aus einer arg begrenzten Auswahl. Lediglich zwei Arten von Schwertern, Speeren, Bögen, Schilden und Äxten stehen zur Wahl. Jedoch nur, wenn sie jemand fallen gelassen hat oder das Spiel sie Euch anbietet. Ab und zu hinterlassen überwältigte Gegner dringend benötigte Heiltränke. Die braucht Ihr, da der Schwierigkeitsgrad an einigen Stellen ziemlich happig ausgefallen ist.

Durch Wald und Wüste

Zwischensequenzen in Spielgrafik erzählen die Geschichte. Sie handelt vom ewigen Kampf der drei Kriegsparteien. In den Missionen wechseln die Ziele häufig. Sucht Ihr zu Beginn noch drei verschwundene Kinder, müsst Ihr danach ein Mastodon der Engel an die nahe Front bringen, um kurz darauf die Angreifer zu bezwingen. Was dem Spiel bei Einheiten und Waffen an Abwechslung fehlt, macht es durch die vielfältigen Missionsziele wieder gut. Einige Level sind sogar kampagnenübergreifend. So verteidigt Ihr auf Seiten der Engel das Dorf Saint Charles, während Ihr später auf Seiten der Dämonen dasselbe Dorf angreift.

Grafische Hausmannskost

Das Dorf Saint Charles, angesiedelt im Frankreich des Jahres 1341, sieht mit seinen liebevoll gestalteten Häuschen recht idyllisch aus. Ansonsten lässt die Grafik sehr zu wünschen übrig. Die Texturen wirken unscharf, die Farben sind blass und den Figuren mangelt es an Polygonen. Die Landschaften der toten Seelen und der Dämonen sind kahl und leer. Nur in den Welten der Engel und Menschen gibt es Wälder.

Perspektivlos aber mit Audiokulisse

Die Bäume in Wäldern verdecken Euch allerdings ständig die Sicht. Ein Perspektivwechsel ist nicht möglich. Ihr schaut Eurem Helden ständig über die Schulter, selbst wenn Ihr eine Armee kommandiert. Dadurch verliert Ihr eure Truppen schnell aus den Augen.

Auch bei den Effekten kann die Grafik nicht überzeugen. Lediglich die Animationen von Landschaft und Figuren sind in Ordnung. Der Sound liefert dagegen ein besseres Bild ab. Die Effekte sind gelungen. In den Wäldern zwitschern die Vögel. Durch die Wüsten weht ein kräftiger Wind. Die englische Sprachausgabe schwankt leider etwas im Niveau. Die Sprecher der Engel klingen teilweise unmotiviert und eintönig. Dagegen sind die Sprecher der anderen beiden Gruppen abwechslungsreich und mit Spaß bei der Sache.

Multiplayer im LAN und Internet

Am Mehrspieler via LAN und Internet können bis zu zwölf Spieler teilnehmen. Dabei stehen euch sechs Karten und drei Spielmodi zur Verfügung. Wobei nicht jede Karte in jedem Modus spielbar ist. Ihr könnt zwischen Arena (simples Deathmatch), Conquest (Eroberung der gegnerischen Basis) und Battle (Schlacht zwischen zwei Armeen) wählen. Auf Grund eines fehlenden Serverbrowsers müsst Ihr für ein Spiel über das Internet die IP-Adresse des jeweiligen Servers kennen. Fehlende Mitspieler könnt Ihr durch bewegungsfaule Bots ersetzen.

Fazit

Fallen Lords: Condemnation im Test wollte drei Genres miteinander verbinden. Dabei geht den Rollenspielelementen auf halbem Weg die Luft aus. Und der Strategieteil ist im Grunde gar nicht vorhanden. Die eigenen Truppen werden in den unübersichtlichen Schlachten viel zu schnell verheizt, als dass man sie taktisch sinnvoll einsetzen könnte. So bleibt nur die Action als tragendes Element. Doch es hapert an vielen Stellen. Die verschiedenen Charaktere spielen sich allesamt gleich. Die für Abwechslung und Taktik sorgenden Combos ergeben sich in den wilden Klickorgien eher durch Zufall. Auch die Wahl der Waffen fällt für einen Actiontitel viel zu bescheiden aus.

Unter dem Strich bleibt Fallen Lords ein durchschnittliches Spiel, das immerhin für unschlagbar günstige 15 Euro erhältlich ist. Somit verdient sich Fallen Lords trotz allem eine Empfehlung. Bietet es doch für diesen Preis genügend Abwechslung.

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