Autor:  Matze Fenn Hinzugefügt am 30.06.2012, zuletzt aktualisiert am 19.12.2021
Wertung: 3.5

Test: Speedlink Carbon GT Racing Wheel

Speedlink Carbon GT
Speedlink Carbon GT

Wir haben das Carbon GT Racing Wheel von Speedlink getestet. Man merkt dem Gerät natürlich an, dass man bei einem Einkaufspreis von rund 40 Euro nicht die größten Erwartungen haben darf. Zu diesem Preis kann es nicht mit den teureren Lenkrädern konkurrieren. Aber stellt es eine günstige Alternative dar? Das erfahrt ihr in unserem Test.


Erster Eindruck

Karton aufgeschnitten, Lenkrad herausgeholt und betrachtet. Das sieht doch im ersten Moment gar nicht so schlecht aus. Die Form des Lenkrades ist wohl ein Mittelding aus einem Auto- und Formel-1-Lenkrad. Das Material des Lenkradgriffs fühlt sich gut an, kleine Wölbungen dienen dem besseren Halt. Optisch ist es auf jeden Fall ansehnlich.

Nun drehe ich es ein paar Mal hin und her. Bin ich großzügig, so sage ich, dass man es in jede Richtung 200° drehen kann, danach ist aber auch Schluss. Man hat also nur eine halbe Umdrehung in jede Richtung. Bei guten Lenkrädern hat man insgesamt ca. 720° Spielraum, was ein völlig anderes Fahrerlebnis vermittelt.

Die Befestigung geht schnell mit Saugnäpfen. Verrutschen tut das Lenkrad damit nicht, allerdings ist es etwas schwer wieder vom Tisch herabzuziehen. Zur zusätzlichen Befestigung könnte man mit einer Art großen Schraube das Lenkrad an der Tischplatte festdrehen. Die hält aber nicht, was sie verspricht, ist schwer zu befestigen und hat sogar eine etwas größere Schramme in meinen Tisch gemacht.

Die normalen Tasten, die man vom Controller kennt, sind natürlich auch alle vorhanden, sowie die vier Schultertasten. Diese sind aber direkt übereinander und ziemlich klein. Dazu fehlt dann auch ein Schaltknüppel, den man zwar nicht unbedingt benötigt, aber bei manchen Spielen schon ganz lustig sein kann.

Genug über das Lenkrad geredet, wo sind eigentlich die Pedale? Als der Karton schon leer ist, entdecke ich in der Ecke noch etwas wirklich Kleines. Natürlich sind es die Pedale und dies enttäuscht mich nun wirklich. Sie sehen billig aus, bestehen aus Plastik und geben nur wenig Widerstand.

Da wackelt doch was?

Schon bei einmaligem Drücken hing die PS-Taste ein wenig, gleiches passierte mit der Select- und Start-Taste. Auf jeden Fall haben sie zu viel Spielraum, sodass sie öfters leicht in den Ecken hängen bleiben und man sie nochmals betätigen muss. Ebenfalls die Schultertasten dürften einigen missfallen. Man hat hier kaum Widerstand und wenn man die eine Taste im Eifer des Gefechts betätigen möchte, so wird die andere manchmal mitgedrückt.

Da es ja keinen Schaltknüppel gibt, ist dies besonders bitter, da das Schalten jetzt wirklich schwierig ist. Ohne auf die anderen Funktionen des Lenkrades einzugehen, möchte ich etwas „vorspulen“. Nach ca. zweistündiger Fahrt im Spiel Formel 1 2011, bei dem man mit Kreis den zusätzlichen Boost KERS benutzt, ist es passiert: Die Taste bleibt hängen und kommt nicht mehr heraus.

Wenn dies nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so tut sich nun gar nichts mehr. Anscheinend hat sich dadurch die komplette Elektronik aufgehangen, was nach so kurzer Zeit einfach nicht passieren darf. Nach einer einstündigen Montur und viel Körpereinsatz, habe ich die Taste wieder herausbekommen, welche jetzt aber sehr verkratzt und einfach unschön aussieht. Immerhin funktioniert das Lenkrad auch wieder, um mal etwas Positives zu vermelden.

Ab auf die Piste!

Doch genug der technischen Mängel, worauf es wirklich ankommt, ist das Fahrgefühl. Ich liebe die Herausforderung, also starte ich direkt ein Online-Rennen, um das Lenkrad möglichst mit einem Erfolg einzuweihen. Die Ampeln schalten um: Rot, Rot, Rot, Rot, Rot… Grün! Los, los, los! Was zum Teufel? Ich stehe. Und das nicht zu kurz. Nach ca. 1 Minute und Ausprobieren aller Tasten, bemerke ich, dass ich mit X und Viereck Gas geben und bremsen kann. Dies muss man in den Einstellungen vor jedem Spiel (zumindest bei allen, die wir getestet haben) umstellen, was sich als nervig herausstellen kann. Immerhin funktionieren jetzt die Pedale, auf Gas gibt man Gas, auf der Bremse bremst man.

Die Pedale tun ihren Job, auch wenn sie nicht qualitativ hochwertig sind. So sollte man vorsichtig mit ihnen umgehen und sich auf eine nicht allzu lange Lebensdauer einstellen. Die Umgewöhnung von einem High-End Lenkrad auf dieses fällt zu Beginn schwer aus, vor allem wegen der geringen Einschlagwinkel des Lenkrades. Nach einem gemütlichen 60-Runden-Rennen auf dem Nürburgring hat man die Eingewöhnungsphase aber überstanden und man kommt gut mit dem Lenkrad klar. Es reagiert aber sehr „langsam“ auf die gewünschten Bewegungen, sodass man das Lenkrad ziemlich weit reißen muss, um in Kurven zu gehen. Daher verpasst man auch die einen oder andere Kurve, da man das Lenkrad nicht weiter drehen kann.

Das Force Feedback ist aber ein großer Witz. Man kann nicht einmal erweiterte Force Feedback Funktionen im Spiel vornehmen, um dieses zu verstärken. Es ist vorhanden, doch so leicht, dass das Lenkrad kaum ruckelt und man einfach keinen richtigen Druck verspürt, das Lenkrad sich also viel zu leicht drehen lässt. Dies ist hauptsächlich bei Rallye-Spielen ein Problem, da es in diesem Genre ein Hauptfaktor ist. Für Anfänger ist dies aber alles zu verkraften, wenn man nicht vorher mit besseren Lenkrädern gefahren ist.

Fazit

Das Carbon GT Racing Wheel ist nichts für Rennsportfans. Die Pedale wirken billig, die Verarbeitung der Tasten ist nicht sonderlich gut gelungen und aufgrund der Tatsache, dass das Lenkrad nach 2 Stunden Fahrt schon ein großes technisches Problem hatte, wohl auch nicht für längere Zeit.

Wer wirklich oft und über mehrere Jahre fahren möchte, der sollte etwas tiefer in die Tasche greifen. Denn ohne Force Feedback und mit dem geringen Einschlagwinkel von ca. 200° bleibt der ganz große Spaß aus. Alle, die nur mal in das Vergnügen eines Lenkrades kommen wollen, und auch nur ein wenig rumfahren möchten, können zuschlagen.

Im Vergleich zu einem normalen Controller allerdings macht es mit einem Lenkrad deutlich mehr Spaß, sodass man bei der Entscheidung einen neuen Controller oder das Lenkrad zu kaufen nicht zögern sollte.

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