Autor:  Martin Vaßen Hinzugefügt am 29.09.2011, zuletzt aktualisiert am 02.10.2021
Wertung: 6.3

War in the East: The German-Soviet War 1941-45 – Test: 2. Weltkrieg in Runden


War in the East: The German-Soviet War 1941-45, so nennt sich der neue Strategietitel der Entwicklerstudios Matrix Games und Slitherine. Hierbei handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel für den PC, das im 2. Weltkrieg spielt. Das Spiel wirbt mit Krieg in epischer Größe. Von Moskau bis Berlin! Wir haben getestet, ob dieses Versprechen eingelöst wird. Die Ergebnisse erfahrt Ihr in folgendem Review.


Wie der Titel verrät, wird im Spiel der Konflikt zwischen Deutschland und Russland im 2ten Weltkrieg nachgespielt. Es ist sowohl möglich als Kommandeur der Wehrmacht, als auch als Befehlshaber der Roten Armee seine Truppen anzuführen. Die Spielwelt erstreckt sich dabei von Berlin, über Finnland, Osteuropa bis hin nach Moskau, tief in Russland. Der Spieler kann entweder einzelne Schlachten und Feldzüge nachspielen, oder sogar den ganzen Ostfeldzug durchspielen, von Anfang bis Ende.

Riesige Welt, unglaubliche Komplexität

Die Spielwelt von War in the East ist geradezu gigantisch. Die komplette Landmasse von Berlin bis Moskau wurde in kleine Spielfelder unterteilt. Diese sind fünfeckig und haben Kantenlängen von je 10 km. Man kann sich also denken, dass das Terrain schon aus einigen tausend Feldern besteht.

Auf diesem Spielplan finden nun die Aktionen der Spieler statt. Gezogen wird rundenweise, die beiden Kontrahenten wechseln sich also immer ab. Dabei ist die Komplexität schier unglaublich: Es gibt alle nur erdenklichen Truppengattungen, vom schweren Kampfpanzer bis hin zum ungepanzerten Transporter, vom Bombergeschwader bis hin zum kleinen Fußsoldaten. Jede Einheit wird dabei als kleines Viereck mit ihrem jeweiligen militärischen Symbol angezeigt. Überhaupt ähnelt das Spiel eher einer großen Landkarte, als den typischen Levels in Strategiespielen. Die Spieler ziehen ihre Einheiten über die Karte, verlegen Versorgungstruppen und greifen den Feind an. Alle möglichen Daten können zwischendurch eingesehen werden, oder am Ende einer jeden Runde als tabellarischer Bericht angezeigt.

Anfänger haben es schwer

Spätestens in diesen Tabellen blickt man als Anfänger überhaupt nicht mehr durch. Denn aus diesen riesigen Mengen an Input, die Informationen auszufiltern, die grade interessieren, scheint unmöglich. Zudem sind alle Daten mit militärischem Fachchinesisch abgekürzt. Bis man sich durch diesen Wust an Daten gewühlt hat, vergehen mehr als nur ein paar Minuten.

Zu allem Überfluss bietet das Spiel kein Tutorial an, der Spieler muss sich also alles selber beibringen. Entweder durch Erfahrungen, die er im Spiel sammelt. Oder aber indem man sich das Booklet und die Readme-Datei zu Gemüte führt. Nachdem man dann tags darauf die knapp 400 Seiten Handbuch durchgelesen hat, hat man zumindest in der Theorie schon mal einen guten Überblick. Da aber die wenigsten Spieler Zeit und Lust haben sich so lange in ein Spiel einzuarbeiten, bleibt nur der harte Weg sich einfach mal ins Spiel zu stürzen und aus seinen Fehlern zu lernen.

Irgendwann macht’s dann auch mal Spaß

Wenn man nach den ersten Matches dann mal einen gewissen Durchblick hat, fängt das Spiel langsam an Spaß zu machen, denn auf einmal ergeben die ganzen Informationen einen Sinn. Man kann zum Beispiel anhand der Daten über Wetterverhältnisse, Truppenmoral, und Anzahl der Versehrten in der Truppe abschätzen ob ein Angriff Aussicht auf Erfolg hat, oder ob man besser mal ein paar Runden defensiv verharrt um den harten russischen Winter zu überstehen.

Irgendwann, wenn man denkt, dass man den Bogen raushat, kann man einen höheren Schwierigkeitsgrad ausprobieren. Je nachdem auf welcher Stufe man spielt, werden die Werte der Gegner verringert oder erhöht. Auf normaler Schwierigkeit sind Mensch und die KI gleichauf, während auf der höchsten Stufe, die Feinde fast schon doppelt so stark sind. War in the East fordert also sowohl fortgeschrittene Spieler, als auch die absoluten Strategieprofis.

Im Internet

Anstatt immer nur gegen den Computer zu spielen, kann man natürlich gegen menschliche Kontrahenten antreten. Es können entweder zwei Spieler abwechselnd an einem PC spielen, oder man sucht sich einen Gegner im Internet. Das Spielprinzip verändert sich nicht, allerdings verlangen menschliche Rivalen ganz andere Taktiken als die KI. Außerdem empfiehlt es sich, sich Gegner in einschlägigen Community-Foren zu suchen. Denn ein Match War in the East ist nicht mal eben in einer Stunde gespielt. Je nach Größe des Szenarios könnte man Stunden oder Tage daran spielen. Die Partie wird zwischendurch abgespeichert und kann bei Bedarf später fortgesetzt werden.

Nichts für Ästheten

Grafisch kann der Titel nicht besonders viel bieten. Alles findet komplett in der Draufsicht auf die Landkarte, und in schlicht gestalteten Tabellen statt. Wobei wohl die Grafik bei einem Spiel wie diesem eher nebensächlich ist, und man daher keine besonders hohen Erwartungen haben sollte. Trotzdem muss eine Sache noch erwähnt werden: Die Entwickler haben anscheinend vergessen einen Vollbildmodus einzubauen. Man ist also gezwungen das Spiel im Fenster laufen zu lassen.

Mit dem Sound verhält es sich ähnlich: Es warten uns ein bisschen Standardgedudel und hin und wieder mal ein paar Kampfgeräusche.

Grundsätzlich ließe sich das komplette Spiel über die Maus steuern. Allerdings lassen sich Shortcuts bedienen, mit denen Aktionen noch flotter und angenehmer von der Hand gehen. Bevor man die Spielmechanik nicht versteht, nützt es nur nichts, wenn man alle Tastenbelegungen auswendig kann.

Fazit

War in the East ist ein solides Strategiespiel, das sich ganz klar an Fortgeschrittene und Profis richtet. Als Anfänger muss man schon einige Stunden Übung einplanen, bevor man sich richtig in die Gefechte stürzen kann. Hat man den Bogen aber erstmal raus, begeistert das Spiel mit den riesigen Szenarien, den vielen Details und den hunderten verschiedener Möglichkeiten. Technisch erscheint das Strategiespiel sehr schlicht, fast schon veraltet. Wer sich an so ein Spiel wagt, setzt aber auf andere Werte als eine super Grafik oder bombastischen Sound.

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