Autor:  Hinzugefügt am 11.11.2008, zuletzt aktualisiert am 06.08.2018
Wertung: 7.0

Wetterbericht zu Stalker: Clear Sky zeigt Wolken und Schauer

Stalker: Clear Sky
Stalker: Clear Sky

Stalker: Clear Sky im Test. Vor anderthalb Jahren erschien mit Stalker: Shadow of Chernobyl eines der atmosphärisch dichtesten Spiele der letzten Jahre und wurde im Test entsprechend von uns dafür belohnt. Allerdings wies der Ego-Shooter auch sehr viele Fehler auf. Erst viele Patches später lief das Spiel stabil. Beim Nachfolger wollte GSC Game World nun alles besser machen. Doch erneut scheitert man an den eigenen Ansprüchen. Allerdings wieder auf hohem Niveau, wie unser Test verrät.


Düstere Wolken am Horizont

Die Verkaufsversion von Stalker: Clear Sky wollte auf unserem Testsystem erst gar nicht starten. Der erste Patch behob zumindest dieses Problem. Clear Sky krankt aber an den gleichen Fehlern, wie schon sein Vorgänger und bringt zudem noch neue mit. Nebenmissionen lassen sich nicht beenden, die KI ist nicht besonders intelligent und das Spiel stürzt in schöner Regelmäßigkeit ab.

Wir sollen Wolfs Bruder befreien und ihn sicher nach Hause bringen. Ersteres gelang uns noch. Der Heimweg gestaltete sich dagegen schwerer. Zwar folgte er uns, doch jedes Mal, wenn wir ihn anschauten, flüchtete er panisch. Doch selbst wenn es uns gelang, ihn heil in das Lager zu bringen, ließ sich die Mission nicht beenden. Irgendwann verschwand er dann im Wald, wo er solange hockte, bis ihn die „Wölfe“ fraßen. Darüber kann man zur Not noch lachen.

Nerviger dagegen ist die Dummheit der Nichtspielercharaktere (NPC). Die NPC reagieren auf Ihre Anwesenheit, bleiben stehen, schauen Sie an und bieten sich damit zum Gespräch an. Erst wenn Sie eine bestimmte Distanz zwischen sich und den NPC gebracht haben, geht er weiter seiner Tätigkeit nach. Dumm nur, wenn das in Gebäuden passiert und der NPC den einzigen Ausgang versperrt.

Silberstreif am Horizont

Inzwischen sind wir beim vierten Patch angekommen und Clear Sky läuft stabil. Dennoch trüben Kleinigkeit den Spielspaß. Gespräche enden manchmal mitten im Satz und gerade zu Beginn ist der Schwierigkeitsgrad sehr unausgewogen. Die Händler verlangen unverschämt hohe Preise und zahlen im Gegenzug nur einen Bruchteil des angegebenen Wertes. So will der Banditen-Händler auf der Müllhalde für eine Vintar BC, deren Wert bei 12.000 Rubel liegt, nur großzügige 93 Rubel springen lassen, verlangt aber im Gegenzug fast das Doppelte. Zwar ändert sich dieses Missverhältnis, wenn Sie in der Gunst der jeweiligen Fraktion aufsteigen, wirklich fair ist es aber nie.

Auf Dauer nerven auch die ständigen Betteleien nach Hilfe. In jedem Gebiet gibt es Punkte, an denen man von Ihnen verlangt, eben diese gegen anrückende Mutanten zu verteidigen. Wenn Sie sich nach getaner Arbeit auf den Weg machen, um Ihre Belohnung zu kassieren, kommen Sie keine 50 Meter weit, ohne dass man erneut nach Ihnen schreit. Selbst wenn das leicht verdientes Geld ist. Mit der Zeit werden Sie die permanenten Hilferufe nur noch ignorieren.

Heiter bis wolkig

Stalker: Clear Sky spielt zeitlich vor den Ereignissen des ersten Teils. Die Introsequenz zeigt Sie, wie Sie eine Gruppe Wissenschaftler durch die Zone rund um den zerstörten Reaktor in Tschernobyl führen, als Sie plötzlich von einer Eruption von den Beinen gerissen werden. Als sie wieder zu sich kommen, befinden Sie sich im Hauptquartier der „Clear Sky“-Fraktion. Ein anderer Stalker scheint die Ursache für die Eruptionen zu sein und da Sie mit jeder weiteren Eruption einen Teil Ihrer kostbaren Nervenbahnen einbüßen, legt man Ihnen nahe, besagten Stalker daran zu hindern, weiter in das Zentrum der Zone vorzudringen. Um wen es sich dabei handelt, dürfte Spielern des Vorgängers bereits klar sein.

Nach wie vor zeichnet sich das Spiel durch eine sehr dichte Atmosphäre aus. Besonderen Anteil daran hat immer noch die überzeugende Grafik. Überall zeugen die verfallenen Reste der Zivilisation von vergangenem Unheil. Die Sonnenstrahlen lassen in Echtzeit berechnete und detaillierte Schatten über den Boden wandern. Anomalien und Unwetter zaubern schicke Effekte auf Ihren Bildschirm, aber auch nur mit der richtigen Hardware. Denn vieles bekommen Sie erst unter DirectX 10 zu Gesicht.

Soundtrack erzeugt Gänsehaut

Der Soundtrack erzeugt Gänsehaut und passt immer zum Geschehen. Nachts erklingt das drohende Geheul der mutierten Bestien. Zaghaft tasten Sie sich in der Dunkelheit voran, jedes nahe Geräusch lässt Ihnen die Nackenhaare zu Berge stehen. Sie sehen die sprichwörtliche Hand vor Augen nicht. Ohne Nachtsichtgerät brauchen Sie sich nicht vor die Tür zu wagen, da nicht nur die Mutanten über gute Augen verfügen. Auch Ihre menschlichen Gegner sehen in der Dunkelheit erstaunlich gut und treffen selbst auf Distanz mit der Präzision einer ferngelenkten Bombe. Leider fehlt die Möglichkeit, wie zum Beispiel in Far Cry 2, die Uhr vorzudrehen. Somit verbringen Sie gerade in der Anfangszeit die Nächte am besten in den geschützten Basen oder überbrücken die Zeit damit, Ihre angehäufte Beute zu einem der Händler zu schaffen.

Wichtige Personen und die dazugehörigen Gespräche sind vollständig und durchweg sehr gut vertont. Der große Rest bleibt dagegen stumm oder beschränkt sich auf wenige, immer gleiche Sätze. Und wie schon im ersten Teil greift der eine oder andere Stalker am Lagerfeuer zur Gitarre und man erzählt sich den einen oder anderen Witz. Leider immer noch auf Russisch.

Überwiegend sonnig

GSC Game World hat sich aber nicht nur auf technische Verbesserungen beschränkt. Das Spiel hat sich an einigen Stellen erheblich verändert. Zum einen in der Spielwelt selbst. So gibt es mit den Sümpfen oder der Ortschaft Limansk komplett neue Gebiete, andere wie das Wildgebiet oder Pripyat sind dafür weggefallen. Der Rest hat sich nur im Detail verändert.

Bereiche, die im ersten Teil noch unzugänglich waren, können jetzt gefahrlos betreten werden, andere werden nun durch die neuerdings nicht mehr ganz so leicht zu erkennenden Anomalien versperrt. Auch die Artefakte, von denen es nicht mehr ganz so viele gibt, liegen nicht mehr offen im Gelände herum, sondern müssen per Detektor geortet werden. Zudem haben sich deren Eigenschaften erheblich verändert. Auch der Gürtel zum anlegen der Artefakte existiert nicht mehr. Dafür verfügen die Anzüge nun über Taschen, die Sie erst bei Mechanikern freischalten müssen.

Mechaniker reparieren die Ausrüstung

Die neuen Mechaniker sind eine der drei wesentlichen Änderungen am Spiel. Sie reparieren und verbessern die Ausrüstung. Jedoch kann nicht jeder Mechaniker alles verbessern. Die Jungs der einzelnen Fraktionen haben sich spezialisiert und benötigen zum Teil erst noch die entsprechenden Baupläne, die Sie erst per Nebenauftrag beschaffen müssen.

Die zusätzlichen Fraktionen sind die zweite wesentliche Veränderung. Gab es im Vorgänger gerade mal zwei Fraktionen, gibt es nun sechs unterschiedliche Gruppierungen, denen Sie sich zum Teil auch ganz anschließen können. Das bringt wiederum Vorteile beim Handel, lässt Sie aber auch in der Gunst der anderen sinken. Zwischen bestimmten Fraktionen herrscht nämlich Krieg, in dem Sie ein ums andere mal kräftig mitmischen und gemeinsam mit KI-gesteuerten Kameraden feindliche Stützpunkte einnehmen. Dadurch steigt der Wiederspielwert.

Gut zu Fuß

Die letzte wesentliche Veränderung betrifft den wohl größten Kritikpunkt an Shadow of Chernobyl: die ewig langen Laufwege. Zwar können Sie immer noch nicht auf Fahrzeuge zurückgreifen, doch ab sofort gibt es sogenannte Ortskundige. Diese finden Sie meist in den wichtigen Basen der Fraktionen. Von ihnen können Sie sich, gegen einen Obolus, an jeden anderen, bereits besuchten Ort bringen lassen. Vorausgesetzt, dort befindet sich ein anderer Ortskundiger. Dumm nur, wenn ein solcher Punkt von den Gegnern eingenommen wird und eben jener Ortskundige dabei ins Gras beißt.

Das Inventar, das nun Waffen und Anzüge automatisch mit den angelegten Utensilien vergleicht, wurde ebenso von den Programmierern überarbeitet, wie das PDA, das auf Kosten der Enzyklopädie Platz für den neuen Fraktionskrieg schafft. Auch die Karte der Zone zeigt jetzt nicht mehr nur wichtigen Orte und Questziele, sondern auch Verbündete und Gegner. Perfekt ist beides aber immer noch nicht. Dem Inventar mangelt es immer noch an Übersicht und im PDA muss die Liste der Nebenaufträge erst umständlich geöffnet werden.

Multiplayer bleibt spartanisch

Beim Mehrspielerpart hat sich dagegen kaum etwas verändert. Auf 19 verwinkelten Karten treten Sie mit bis zu 32 Mitspieler an. Dabei stehen die bereits aus dem Vorgänger bekannten Spielmodi zur Wahl, inklusive der spaßigen Artefaktjagd. Und nach wie vor eignet sich der Mehrspielerteil nur für erfahrene und treffsichere, vorzugsweise Counter-Strike-erprobte Spieler. Waffen und Munition müssen Sie nämlich kaufen. Die dafür notwendigen Rubel verdienen Sie sich durch Abschüsse. Sterben Sie, kostet das wiederum ein paar Kopeken. Somit haben es gute Schützen leichter, da Sie schneller an bessere Waffen gelangen und ihren Vorteil damit weiter ausbauen.

Fazit

Es ist schon merkwürdig. Da bringt man vor anderthalb Jahren ein Spiel auf den Markt, das technisch nicht fehlerfrei ist und bringt danach Patch um Patch heraus, um die vorangegangenen Versäumnisse zu beheben, nur um bei Stalker: Clear Sky genau die gleichen Fehler zu machen. Man fragt sich wirklich, was die Jungs bei GSC Game World die letzten Monate getrieben haben.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Stalker: Clear Sky ist ein spannendes und unterhaltsames Spiel, das Sie mit seiner überzeugenden Atmosphäre sofort in seinen Bann zieht. Dennoch ist es unverständlich, das die Programmierer scheinbar nichts aus ihren Fehlern gelernt haben.

Inzwischen läuft das Spiel aber dank der bereits veröffentlichten Updates stabil und die gröbsten Schnitzer sind behoben, wodurch wir Ihnen gegenüber nun doch eine Kaufempfehlung aussprechen können.

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