Autor:  Philipp Baldia 30.03.2011, letztes Update: 08.08.2021
Wertung: 6.5

Real Warfare 1242 – Test: Russland im 13. Jahrhundert als Echtzeitstrategie


Das von Unicorn Games Studio entwickelte historische Echtzeitstrategie Spiel Real Warfare 1242 zeigt Russland von einer weniger bekannten Seite der Geschichte: Der Spieler erhält die Möglichkeit auf einer historischen Kampagne das Land im 13. Jahrhundert zu durchqueren und von ausländischen Invasoren zu befreien. Wie es sich als Befreier der großen Föderation lebt, stellen wir euch in unserem Review vor.

Wer Russland in Verbindung mit dem Wort „Geschichte“ hört, denkt direkt an das 20. Jahrhundert und den Sozialismus – doch dieses Russland hat nichts mit dem zu tun, das es in Real Warfare 1242 zu befreien gilt, außer dass beide Länder größtenteils eine autokratische Staatsform hatten. Die Aufgabe des Spielers sieht vor, feindliche und plündernde Invasoren wie die Deutschritter oder Mongolen zurück zu drängen, und die inner-russischen Konflikte beizulegen, um das Land nach langer Zeit des Krieges und der Zerwürfnis zu einen. Dafür schlüpft man in die Rolle des Prinzen Alexander Nevsky und erhält, neben teils spannend angelegten historischen Schlachten, noch einige Randinfos zu Russlands geschichtlicher Lage im ausgehenden Hochmittelalter.

Große Schlachten

Wer ein übersichtliches Geplänkel von zwei Bataillonen Speerkämpfern erwartet, der irrt sich. Denn Real Warfare 1242 stellt dem Spieler eine Masse von Einheiten zur Verfügung, die indes nur in Nuancen Unterschiede aufweisen. Gemäß dem Motto „Viel hilft viel“ trifft man in so mancher Mission zusammen mit einem KI-Verbündeten auf eine Horde von über 1500 gegnerischen Truppen, die nicht gerade zimperlich und linear agieren, sondern auch gerne reagieren und es sich nicht selten nehmen lassen, Prinz Alexander persönlich nachzusetzen.

Eine große Stärke des Spiels ist die Übersichtlichkeit des Menüs und die Anfängerfreundlichkeit, die daraus resultiert. So macht es selbst bei einer schier unendlichen Übermacht an Gegnern immer noch Spaß den Wuselfaktor des Spiels zu nutzen und sich kühn mit seinen tapferen Einheiten in die Schlacht zu stürzen.

Anonymität als mittelalterliches Leitmotiv

Grafisch bietet die Schlachten-Simulation nicht so viel, wie vergleichbare Genre-Konkurrenten der Total-War-Reihe. Erwartet man also die Möglichkeit, jedem Soldaten ins Gesicht zu sehen, um die Angst in seinen Augen erkennen zu können, so wird man leider enttäuscht. Und auch Pfeile sind mit höchsten Grafikqualitäts-Einstellungen eher ein Regenschauer als ein Pfeilhagel, vor dem man sich fürchten müsste. Die Landschaften hingegen sind schon inszeniert und vermitteln eine authentische Atmosphäre. So fühlt es sich trotz sonnigstem Wetter zu Hause in so mancher Mission eher als befände man sich gerade selbst in Russlands entlegensten Gebieten und muss zusammen mit seiner Armee durch den Schnee waten, um endlich wieder einen wolkenlosen, blauen Himmel sehen zu können.

Leise, aber harmonisch

Ebenso, wie die verträumte Grafik, trägt auch der ruhige Sound mit zur Atmosphären-Bildung bei. Statt penetrantem Geklimper oder sühnenden Choralgesängen, bietet Real Warfare eine ganze Palette an atmosphärischen Klängen, wie z.B. verschieden intensive Windgeräusche und, abhängig vom Gegner, entsprechend kulturell angehauchte Klänge. So strömen Klänge von mongolisch/asiatischen Trommelgruppen und Blasinstrumenten auf das Ohr ein, während in einer Schlacht gegen Deutsche starke Trommler und Hornbläser zum Kampf aufrufen.

Mit Taktik zum Sieg

Taktik gehört zu den Schlüsselelementen für eine siegreiche Schlacht. Ohne geht’s nicht. Und das wissen auch die Entwickler von Real Warfare, sodass sie die taktischen Möglichkeiten der Spieler bedacht haben, und leicht bedienbar. Ob Formationswahl, Haltungswahl, Schießbefehl oder Entfernung zwischen den einzelnen Soldaten: Alles kann der Spieler bestimmen; und damit es nicht zu viel ist, gibt es noch den sinnvollen Pause-Modus bzw. falls es zu lange dauert, bis die Truppen sich neu formiert haben, den Beschleunigungs-Modus. Auch das komplexe Moralsystem ist nicht zu unterschätzen. Wie immer gilt: Ein Angriff auf eine ungeschützte Flanke oder gar von hinten kann ausreichen, um ganze Armeen in die Flucht zu schlagen, da ihre Moral zerstört ist. Und statt eine gleichbleibende Feuerkraft bei Demoralisierung zu gewähren,  sinkt diese zusammen mit der Moral. Die große Auswahl an Einheitentypen erschwert dem Hobby-General zumindest zu Beginn des Spiels die Armeezusammenstellung: Lieber berittene Bogenschützen, oder doch eher die Infanteristen? Verbessere ich die Waffen, oder stocke ich die Truppen auf? Diese und mehr Fragen muss sich der angehende Truppenführer stellen, wenn er erfolgreich sein möchte.

Fazit: Geschichte erleben

Dies ermöglicht Real Warfare 1242 in einer guten Art und Weise. Von grundlegenden historischen Einführungen und Einordnungen bis zu großen Schlachten, die einem jedem General Einiges an Können abverlangen, bietet Real Warfare 1242 eine große Diversität, an der jeder Stratege Gefallen finden mag. Grafik und Sound schaffen eine schöne Atmosphäre, die zum längeren Spielen und zum Versinken in das Russland des 13. Jahrhunderts einlädt. Auch im Mehrspieler erhält man die Gelegenheit sich in entweder randomisierten Arealen oder in realen bzw. aus der Kampagne bekannten Gebieten einem Mitspieler die Stirn zu bieten. Die verschiedenen Taktikmöglichkeiten und die immer wieder anders agierenden KI-Gegner versprechen ein längeres Fernbleiben von Langeweile. Wer also Mittelalter-, Strategie- und Geschichts-Fan ist, der hat mit Real Warfare 1242 einen guten, wenn auch ein wenig unterlegenen Konkurrenten zur Total War-Reihe gefunden.

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