Autor:  Matze Fenn 15.10.2012, letztes Update: 24.01.2022
Wertung: 7.8

Test: NHL 13

Game-Controller, Bild: CC0
Game-Controller, Bild: CC0

Die Kufen sind geschliffen, somit kann die Saison 2012/2013 in der NHL, DEL und vielen anderen Eishockey-Ligen kommen – bei euch zu Hause auf dem Bildschirm. Und so hautnah und realistisch, mit derartig wuchtigen Checks, Toren, Bewegungen und Tricks wart ihr noch nie dabei. Ist NHL 13 etwa die perfekte Eishockey-Simulation auf den Konsolen? Das erfahrt Ihr in unserem Test.

Was spiel ich denn überhaupt?

Auch dieses Jahr warten wieder unzählige Spielvariationen auf euch. Das normale Freundschaftsspiel gibt es seit eh und je. Dazu gesellt sich der klassische Managermodus, den kein NHL-Fan mehr missen möchte. Außerdem bietet NHL 13 einen Online-Modus, der ebenfalls in einer Sammlung an Spielmodi nicht mehr fehlen darf. Darüber hinaus schlüpft ihr im Be-A-Pro-Modus, in die Rolle eines selbst erstellten, aufstrebenden Talents und müsst euch unter den ganz Großen in einer einmaligen Karriere beweisen. Nebenbei kommen noch Modi wie die Winter Classics, das schon bekannte Ultimate Team und der Legendenmodus hinzu. Aber auch einen neuen Modus kann EA aufbieten: Im Modus „NHL Moments“ könnt ihr die tollsten und spektakulärsten Szenen aus vergangenen NHL-Saisons nachspielen – hier warten natürlich alte Hasen, die jeder Eishockey-Fan kennt, auf euch.

Im Be-A-Pro-Modus und bei den Winter Classics wurde nur im Detail gearbeitet. Dafür gibt es in anderen Bereichen wesentlich mehr neues zu entdecken. Am wesentlichsten sind hier wohl die Neuerungen im Managermodus. Offline sollen euch mehr realistische Trades geboten sein – Online gibt es sogar einen ganz neuen Modus, der sich „GM-Connected“ schimpft. Hier ermöglicht EA euch, mit 29 Freunden oder Mitspielern pro Verein in einer Liga von 30 Teams gegen anderen Teams, bei denen ebenfalls Trainer, Manager und Spieler von anderen Mitspielern gesteuert werden, zu behaupten. Wird das Potenzial voll ausgeschöpft, können so 750 Leute in einer Liga gegeneinander antreten und tüfteln – wirklich beeindruckend.

Setzt ihr dieses Jahr aber nicht auf die Onlinespielmodi bzw. wollt den Karrieremodus lieber allein gegen KI-Gegner genießen, so wartet auch hier dieses Jahr eine große Herausforderung. Denn die KIs haben’s drauf – sogar richtig. Selbst im Zusammenspiel, wenn es gegen Freunde geht, unterstützen euch eure KI-Mitspieler richtig klasse – so kommen spielerische und taktische Glanzleistungen heraus, die das Spiel sehr ansehnlich machen, selbst für Zuschauer. Spielt ihr gegen den Computer, so könnt ihr die Schwierigkeit manuell anpassen, wer zu Anfang nicht zurechtkommt, sollte auch darüber nachdenken, denn ein so gut stehender, verteidigender und angriffsstarker Gegner kann auch schnell für Frust sorgen.

Zwar könnte man meinen, dass es durch die Temposchübe, die man dieses Jahr manuell dosieren kann, einfacher wird am Gegner vorbeizukommen. Jedoch muss man auch dafür erst ein Fingerspitzengefühl entwickeln, denn je schneller man dran ist, desto weniger flexibel sind die Spieler und ihr könnt natürlich keine schnellen Drehungen oder Ausweichmanöver starten. Ist man dann erst mal mit viel Mühe durch die Abwehr hindurch oder hat sich schön frei gespielt, wartet die nächste Herausforderung: der Torhüter. Die sind ziemlich unausgewogen programmiert. Denn wo die Keeper doch hin und wieder unmenschliche Reaktionen zeigen, verdeckte Schüsse aus dem Handgelenk halten oder selbst umdribbelt und ausgespielt noch lange nicht geschlagen sind, zeigen sie doch hin und wieder eklatante Schwächen, die überhaupt nicht ins Bild des genialen Torhüters der vorhergegangenen Spiele passt.

Was fürs Auge

Fehler dürft ihr euch keine erlauben. Steht ihr in der Verteidigung einmal ungeordnet oder ein Spieler kommt nicht mit zurück, wird das gnadenlos bestraft. Verliert ihr den Puck im vorderen Drittel, so müsst ihr rasend schnell umschalten, um alle Mann wieder zurückzubekommen. Denn die NPCs nutzen derartige Gelegenheiten und sehen jede freie Lücke. Doch auch für euch bringt dies Vorteile. Habt ihr schnelle Außenstürmer, könnt ihr die Verteidigung auch mal in einem Sprintduell einfach überlaufen und so Blitzangriffe oder saubere Konter spielen.

Auch euer Auge wird nach und nach geschult und ihr erkennt schneller Lücken oder Möglichkeiten, zum Abschluss zu kommen. Wie erwähnt denken die KI-Mitspieler mehr mit und ermöglichen euch tolle Spielzüge in dem sie euch freie Räume aufreißen, sich auch mal in diese begeben und ihr mit ein, zwei gekonnten Pässen die ganze Verteidigung aushebeln könnt.

Als letztes Mittel bleibt vielleicht aber hin und wieder nur ein wuchtiger Check – oder auch in der Rückwärtsbewegung ein taktisches Foul oder ein „spaßiges“ Foul, in dem ihr eurem Gegner einfach mal an die Wäsche geht. Die Checks wurden toll animiert, die Spieler fallen sehr realistisch und man muss doch oft schmunzeln, wie man denn den Gegenspieler jetzt aus den Latschen gecheckt hat.

Jedoch gibt es im Gebiet Gameplay und Animation einige Kleinigkeiten, die noch verbessert werden können: während in den Spielen der Stick früher in jedem 4. bis 5. Spiel einmal gebrochen ist, brechen die Sticks unserer Spieler nun häufiger. Das geschieht fast in jedem Spiel oder spätestens jedem zweiten Spiel. Ebenfalls übersehen die Schiedsrichter Checks und Fouls von hinten, was uns erst sehr erfreut hat, immerhin konnten wir uns richtig austoben. Als wir dann aber in einer entscheidenden Situation selbst ohne Folgen von hinten umgehauen wurden, verging uns das Lachen rasch wieder.

Das sieht alles toll aus, denn ihr gleitet regelrecht übers Eis und die ganze Präsentation ist ebenfalls gut gelungen: Der Einlauf gleicht einer Show, die Stimmung in den Stadien ist atemberaubend und die Fans gehen voll mit und jubeln natürlich begeistert, wenn ihr euren Gegenspieler so richtig übers Eis checkt – so haben wir uns das vorgestellt. Auch das amerikanische Kommentatoren-Duo gibt wieder Vollgas und trägt zu einem tollen Eishockey-Erlebnis bei.

Allzu viel hat sich jedoch in Sachen Grafik nicht getan, vergleicht man es mit NHL 12. Aber hier sehen wir auch keinen Verbesserungsbedarf, denn das Spiel kommt optisch super daher. Verbesserungsbedarf besteht eher in Sachen Physik – nicht alle Bewegungen und Aktionen sind so gut animiert, wie man das von einer Simulation erwartet. So können eure Spieler auch mal sehr komisch fallen nach einem Check, oder bestimmte Schüsse kriechen vor sich hin und der Torwart hat dennoch große Probleme diesen abzuwehren und macht vielleicht daraus noch einen komischen Abpraller. Aber darüber kann man hinwegsehen, denn die Spielfreude ist nicht beeinträchtigt.

Fazit

NHL 13 hat noch viel mehr zu bieten. Für alle Eishockeybegeisterte ein Muss – für alle, die es ausprobieren wollen, eine Empfehlung. Auf dem Eis hat sich einiges getan: Dynamischer, eleganter, härter und schneller geht es kaum noch. Die Schwierigkeit sorgt für eine große, lang andauernde Herausforderung. Die Physik und die aktuellen Teams im History-Modus sind die einzigen kleinen Schwachpunkte, über die man getrost hinwegsehen kann. EA bietet mit NHL 13 ein Rundum-sorglos-Paket für das Jahr 2013 und lässt kaum Wünsche offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zurück zum Testarchiv
Was sagst Du dazu?
Zugehörige Spiele

Aktuelle Nachrichten

Werbung