Autor:  Otto Normal Hinzugefügt am 13.12.2011, zuletzt aktualisiert am 11.10.2018
Wertung: 4.0

IHF Handball Challenge 12 im Test: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

IHF Handball Challenge 12, Bild: Neutron Games
IHF Handball Challenge 12, Bild: Neutron Games

Kaum zu glauben: Handball ist eine der beliebtesten Mannschaftssportarten in Deutschland. Doch das öffentliche Interesse ist relativ gering, lediglich bei der Heim-WM 2007 war die damalige Nationalmannschaft von Heiner Brand in aller Munde. Nach einigen Handball-Managersimulationen auf dem Markt brachte Publisher dtp entertainment nun ein Spiel des Entwicklers Neutron Games heraus, in dem Jedermann selbst Handball-Profi werden kann. Ob IHF Handball Challenge 12 hält, was es verspricht?


Während bei den Fußballsimulationen zwischen EA mit ihrer offiziellen FIFA-Reihe und Konami mit dem Franchise Pro Evolution Soccer große Konkurrenz an der Tagesordnung ist und die Spiele jedes Jahr besser werden, herrscht beim Handball-Sport noch gähnende Leere. dtp entertainment bringt nun gemeinsam mit ihrem deutschen, aus Berlin stammenden Entwicklerstudio Neutron Games ein Computerspiel mit dem Versuch heraus, diese Lücke zu schließen. Offizielle Lizenzen, Videodrehs mit Handball-Stars, finanziell unterstützt durch die Bundesregierung sowie Europäische Union – all das klingt schon einmal nicht schlecht.

Die Bandbreite von „IHF Handball Challenge 12“ ist entsprechend auch groß. Dem Spieler wird es nicht langweilig, wenn er in die erste und zweite deutsche Handball-Bundesliga mit Original-Mannschaften und -Spielern eintreten kann. In zwei verschiedenen Perspektiven, darunter die aus dem Fernsehen bekannte Seitenansicht, schlüpft der Spieler in die Rolle der virtuellen Dominik Kleins oder Nikola Karabatics. Mit den Pfeiltasten werden die Spieler bewegt. Auch das Passspiel, den Wurf oder die Körpertäuschung gibt es entsprechende Tasten, die sofort eine andere Bedeutung erhalten, wenn die eigene Mannschaft von der Offensive in die Defensive wechselt. Das „D“ im Angriffsmodus (auf das Tor werfen) bedeutet im Abwehrmodus den Gegenspieler zu stoßen – und birgt damit die Gefahr, eine Zwei-Minuten-Strafe einzuheimsen.

Schwerfällige Steuerung

Sofort ins kalte Wasser geworfen, hat der Spieler selbst bei auf „leicht“ gestellten Gegnern erst einmal keine Chance. Die Bedienung ist alles andere als intuitiv. Bei einer schnellen Sportart wie Handball muss jeder Tastendruck sitzen, um eine reelle Chance selbst gegen zweitklassige Gegner zu haben. Die Pfeiltasten wirken in der Bedienung manchmal ungenau; ein – vom Spiel unterstütztes – Gamepad kann hier jedoch Abhilfe schaffen.

Um besser vorbereitet in die Partien zu gehen, bietet „IHF Handball Challenge 12“ einen umfangreichen Trainingsmodus an. Darin kann entweder im Gegenspiel mit einem KI-Torwart frei auf das Tor geworfen werden. Besser sind jedoch die Tutorials, in denen Passspiel, Bewegungsabläufe sowie Abwürfe gelehrt werden. Auch wird dem Spieler relativ schnell der Tempogegenstoß beigebracht – das schnelle Umschalten vom defensiven ins offensive Spielen. Dadurch gewonnene Erfahrungen können auf die eigenen Fähigkeiten verteilt werden. Leider setzt „IHF Handball Challenge 12“ dafür zwingend einen Online-Zugang sowie einen kostenfreien Account in der eigenen Community voraus. Möchte man für die weiteren Trainingsmöglichkeiten wie das 1-gegen-1-Abwehrspiel oder 2-gegen-2 freigeschaltet werden, ist eine Internetverbindung folglich unabdingbar – schade!

Dafür bietet der Online-Modus jedoch die Möglichkeit, sich mit Freunden zu messen oder im virtuellen Shop neue Items einzukaufen. Ein Zusatzangebot, nicht mehr.

Zurück zum „Offline“-Spiel. Ergänzend zum umfangreichen Ligaspiel, im Übrigen auch mit Originaldaten der spanischen Liga ASOBAL, gibt es die Option eines Freundschaftsspieles oder aber – als Höhepunkt – die Handball-Weltmeisterschaft in Schweden. Mit viel Können gelingt es vielleicht zumindest virtuell, den charmanten 11. Platz der deutschen Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft wett zu machen?

Grafisch gibt sich „IHF Handball Challenge 12“ keine Blöße. Den Entwicklern ist eine solide Umsetzung gelungen, die verschiedenen Hallen präsentieren sich in einem guten Licht, in denen man gerne spielen möchte. Früheren Handball-Managersimulationen ist dies selbst nach damaligem Maßstab eher schlecht als recht gelungen. Dank Unterstützung der PhysX-Technologie von nVidia hat das Berliner Entwicklerteam auch physikalisch mit einer weitestgehend realistischen Umsetzung gute Arbeit geleistet. Die verschiedenen Hintergrundlieder sind angemessen dezent zu hören, verstärken somit die Atmosphäre wirkungsvoll. Auf Kommentatoren wurde – Gott sei Dank – verzichtet. Dafür gibt es im Tutorial vertonte Erklärungen.

Fazit

Als kleiner Handball-Fan war ich sehr gespannt, wie sich das offizielle Handball-Spiel aus dem Hause dtp entertainment und Neutron Games gibt. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass ich mich zwar näher mit dem Spiel beschäftigen wollte, aber die Steuerung ziemlich schwer ist. Das schnelle Umschalten von der Abwehr in den Angriff, oder die zügig aufeinander folgenden Aktionen im eigenen Strafraum überfordern den Neuling von IHF Handball Challenge 12 schnell. Wer einen kurzen Spielspaß mit diesem Spiel sucht, wird wenig Freude haben. Allen anderen mit viel Zeit, besonders dem „gemeinen“ Handball-Fan, wird „IHF Handball Challenge 12“ jedoch viel Freude bereiten. Jetzt trainiere ich aber erst einmal weiter, um die Weltmeisterschaft in Schweden für das deutsche Team zu gewinnen!

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