Interview: 9. December 2006,

Interview zu Killerspielen mit Postal-Fanseitenbetreiber

Postal
Postal - Screenshot

Am 26. November saß ein Schauspieler bei Sabine Christiansen – Ralf Möller. Eigentlich nichts Besonderes. Wenn es nicht um Killerspiele gegangen wäre, Möller solche verbieten lassen wollen würde, allerdings im Kinofilm zum Shooter Postal mitspielt. Postal zählt zu den brutalsten Spielen auf der Welt; es ist in mehreren Ländern indiziert beziehungsweise verboten. Der Spieler setzt in dem Shooter eine Kettensäge ein, oder uriniert. Wir sprachen mit dem Seitenbetreiber der Postal-Fanseite postal-world.de, nachdem die mediale Stimmung gegenüber First-Person-Shootern nach dem Amoklauf von Emsdetten kippte.

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Alexander Trust: Es scheint, als hätte der Fall von Emsdetten nicht nur ein Exempel statuiert, sondern in der Folge viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Zuletzt wurde in Baden-Württemberg eine Fahndung nach einem 18-jährigen Gymnasiasten ausgerufen, der im Internet angekündigt hatte, am Nikolaustag Amok laufen zu wollen. Können Sie anhand der Geschehnisse der letzten Wochen und Monate die immer drängenderen Rufe seitens der Politik nach einem Verbot für Killerspiele nachvollziehen?

Ralf S.: Na klar, ich meine die Politik ist dazu da, um solche kriminellen Handlungen zu unterbinden. Die Frage müsste lauten, ob die Politik dazu in der Lage ist? Ich meine, was wollen die Politiker denn unternehmen? Killerspiele verbieten? — Als wenn das zu diesem Zeitpunkt einen Unterschied ausmachen würde… Meiner Meinung nach muss von Anfang an gehandelt werden, denn nicht nur Computerspiele wie Counter Strike, Doom oder Postal beeinflussen Jugendliche. Vor allem ihr komplettes soziales Umfeld, ihre Bildung — und zu guter letzt sind es die Eltern, die auf ihre Kinder achten müssen.

Sie selbst sind Seitenbetreiber der Fanseite Postal-World. Postal ist ein gewaltverherrlichendes Computerspiel, das bereits in anderen Ländern, aber auch in Deutschland zumindest im Bereich einer Subkultur für kontroverse Diskussionen gesorgt hat. In vielen Ländern steht das Spiel auf dem Index. Eine Fangemeinde hat es offensichtlich trotzdem. Zudem gibt es seit dem Jahr 1997, als der erste Teil von Postal als Computerspiel erschien, mittlerweile mehrere Teile desselben und sogar filmische Umsetzungen. Wie kamen Sie dazu, eine Fanseite für ein Spiel einzurichten, von dem es heißt, es würde nichts anderes tun, als den Spieler in die Rolle zu versetzen, sinnlos zu töten?

Postal ist schon ein verrücktes Spiel. Man kann Leute zerhacken, durch die Gegend urinieren oder einfach nur umherballern. Genau das fasziniert einen daran. Denn, ich meine, es ist gegen meine moralischen Grundsätze anderen in meinem Umfeld Schaden zuzufügen, aber warum sollte ich es nicht in einem Spiel machen dürfen? Das Spiel hat mich von Anfang an fasziniert und so hab ich mich entschlossen eine Fanseite zu machen, auch unter der Voraussetzung, dass die deutsche Community relativ gering ist. Wie ich dann feststellen musste, gaben mir meine Besucherzahlen Recht, denn 75 Besucher am Tag für eine damals relativ unprofessionelle Seite fand ich doch respektabel.

In einer Folge der Polittalkshow Sabine Christiansen trat der ehemalige Bodybuilder und derzeitige Schauspieler Ralf Möller auf. Er vertrat dort die Position, dass solche Killerspiele (als Beispiel diente der Ego-Shooter Counter Strike) “Müll” seien. Gleichzeitig machte Möller Werbung für eine Initiative an Schulen, mit der er versucht, Jugendlichen eine Alternative zur “Daddelei” zu bieten, und Perspektiven aufzuzeigen. Vor dem Hintergrund, dass sogar die ARD-Redaktion nicht wusste, dass Möller bei der Produktion des nächsten Postal-Filmes, der 2007 erscheinen soll, mitwirkt — wie schätzen Sie diese Situation ein? Kann man wie Möller in dieser Situation noch als glaubwürdig gelten?

Außer, dass Ralf Möller über denselben Vornamen verfügt und in dem von mir „heiß“ erwarteten Postal – The Movie mitwirkt, kann ich nichts an Herrn Möller finden, was mich auch nur überzeugen sollte, mich näher mit ihm zu beschäftigen.

Sehen Sie überhaupt Handlungsbedarf? Finden Sie ein Verbot von Gewalt- und/oder Killerspielen sinnvoll? Welche Alternativen sehen Sie?

Wer entscheidet was sinnvoll für Jugendliche ist? Laut dem Staat müssen die Eltern dafür Sorge tragen, was ihre Kinder spielen und was nicht. Sehe ich mit meinen 19 Jahren da was falsch? Was soll der Staat daran ändern, dass ich Killerspiele spiele? Sollen sie es verbieten, wer spielen will, der spielt. Egal ob es verboten ist oder nicht.
Vielleicht nicht das passendste Beispiel, aber nur weil Telefonieren im Auto verboten ist, heißt das nicht, dass es niemand macht.

Würden Sie sich von Politikern, viel eher noch von besorgten Eltern, sei es der Amokläufer selbst, oder der Opfer derselben, den Vorwurf gefallen lassen, dass Sie mit der Einrichtung solch einer Fanseite einen kleinen Teil zu den Geschehnissen beigetragen haben? Was erwidern Sie denjenigen, die in ihrem Treiben, als Seitenbetreiber einer Fanseite eines gewaltverherrlichenden Computerspiels, keinen Sinn sehen können?

Zunächst: Respekt, die Frage ist echt genial. Aber nein, mal ganz ehrlich… Erstens soll mir das jemand nachweisen. Zweitens muss jeder Mensch selbst mit seinem Leben klarkommen. Wenn ich jemandem sage, spring von der Brücke, bin ich dann Schuld, wenn er es macht?

Ich hab das Recht auf freie Meinungsäußerung, d.h. ich kann schreiben worüber ich will, und wie ich es will. Es ist eine private Webseite und ich zwinge niemanden, das Spiel im realen Leben nachzuspielen. Also hab ich keine Schuld daran… Wo würden wir denn da hinkommen?

Wenn ich bei McDonalds nicht mein Kleingeld spende, und daran dann in Timbuktu Kinder sterben, hab ich dann auch Schuld? Nur weil ich nicht auf der Straße offen gegen den Iran, oder den Afghanistan-Krieg protestiere, hab ich dann Mitschuld am Krieg? — Die Antwort lautet nein, ich rufe ja nicht auf meiner Seite zum Dschihad auf. Ich informiere lediglich über ein Computerspiel. Jeder normaldenkende Mensch kann Computerspiel von Realität auseinanderhalten. Die Menschen, die dies nicht können sind schlicht krank, und kranken Psychopathen kann man nicht helfen, oder zumindest ich nicht.

Umgekehrt gefragt: Gibt es Dinge, Versäumnisse, die Sie Eltern und Politikern vorzuwerfen hätten? Dass es überhaupt so weit gekommen ist?

Ich mache niemandem Vorwürfe. Ich laufe ja schließlich auch nicht Amok, und was in den Köpfen dieser Amokläufer vor sich geht, das weiß wohl niemand.

Glauben Sie daran, dass ein Verbot für Computerspiele in Deutschland gesetzlich durchgesetzt werden kann?

Nein.

Wir danken Ralf S. für das Interview.

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